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Geneviève, oder, Die Kinder von Port Royal : eine Geschichte aus dem Frankreich vergangener Tage / von D. Alcock ; übersetzt von Elisabeth Klee
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Ja Mütterchen," sagte Gencvwve in weichem, leisem Ton,mit aufquellenden Thränen;ich weiß wohl, was Du meinst. EinesTages, während Du schliefst, saß ich neben ihm, und da sagte er,daß er sich stets bemüht habe, gut und gerecht gegen seine Mit-menschen zu sein, aber daß er nicht an Gott gedacht, Ihn nichtgeliebt, Ihm nicht gedient habe, wie er sollte- wie er nun seinenIrrtum einsehe, und schau', Mütterchen, ich werde nie den Blickvergessen, mit dem er innehielt und sich verbesserte:Nein, nichtmeinen Irrtum, sondern meine Sünde. Diese mir zu vergeben,das bitte ich Ihn um Seines Sohnes, unsers Herrn und Heilandeswillen.""

Das hat er zu Dir gesagt? Zu mir dasselbe und noch mehr.Du weißt auch, mit welcher Hingabe er das heilige Sakramentempfing, alle christliche Gerechtigkeit erfüllte und gar fromm underbaulich dahinschied," sagte Madame Montvres.Ich glaube, daßder Verlust des Prozesses ein Bote Gottes für ihn war, eineLichtgestalt im Schattenkleid. Von der Stunde an, wo er es erfuhr,hat er sein Herz von dieser Welt ab und zu der wahren Quelleder Gerechtigkeit hingewandt, zu dem Richter, der da recht richtet.Ihm hat er seine Sache anheimgestellt. Und indem er Ihm alsosein Leid darbrachte, hat er seine Sünde erkannt, daß er Ihn nichteher gesucht und Ihm vertraut hatte. So kam es, daß er nochvor seinem Ende Gott segnete für den schrecklichen Prozeß. Undsieh, meine Geneviove, der Tag ist gekommen, wo ich das gleichethun kann, ob auch unter Thränen.

Statt der Antwort zog Gencvwve der Mutter Hand, dieauf ihrer Schulter ruhte, an ihre Lippen und küßte sie voll Zärt-lichkeit,- dann schwiegen sie. Nach einer Weile begann die Mntterwiedcr und mehr in der gewohnten Ausdrucksweise des Alltags-lebens:Ja, mein Kind, es ist ganz klar, wir müssen nach Parisgehen, sobald als die nötigen Vorkehrungen geschehen sind. Wirmüssen Eduard aufsuchen; doch, wäre er selbst nicht dort, sohätten wir immer noch als Zufluchtsort Port Royal. Freilich,die verehrte Mutter Angölique ist, fürchte ich, sehr krank, und dieteuren, trefflichen Damen in ihrer Umgebung stehen jetzt unterdem Druck des Banns der Verfolgung. Doch sie werden uns

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