hervorbrachte, mehr lispelnd als redend. „Und zur Heilung," fahl-er nach einer Pause fort, „sind die.armen Nonnen — denen Gottbcistchen wolle, denn sie waren gar liebe, edle Frauen und übtenechte Barmherzigkeit an den Armen — überall umher verstreutworden, in die verschiedensten Gemeinden. Die Mutter Äbtissin,Märe Angvlignc, wie sie genannt wird, ist tot, was Sie wohlschon wissen?"
„Ich sollte denken," sagte da Geneviäve, „daß durch solchesUnchervcrstrcucn die Krankheit erst recht ausgebreitet würde. Doch,Mütterchen, was sollen wir nun thun? Wohin gehen wir?"
„Ach, Kind, daran kann ich jetzt noch nicht denken," erwidertejene, da sie das Mißgeschick ihres lieben Port Royal sehr vielmehr in Anspruch nahm, als ihr eignes. „Ach es ist ja alles zusonderbar und traurig." Dann, sich noch einmal zu dem ver-schlossenen Thore wendend, verlor sie ihre Selbstbeherrschung undgab sich, halb ohnmächtig, wie sie war, von Müdigkeit, Hunger undAufregung einer Flut von ungewohnten Thränen hin.
Nun war es an Gcncviäve, die Trösterin zu sein.
„Liebe Mutter, komm," sagte sie, liebevoll deren Hand er-fassend, „wir dürfen uns nicht solchem Kummer überlassen. Gottwird schon für die armen, so unrecht verfolgten heiligen Nonnensorgen. Der König wie der Erzbischof werden's sicher bald ent-decken, daß sie falsch angeklagt worden sind. Außerdem, Mütterchen,weißt Du doch, daß, selbst wenn ein wenig Ketzerei bei ihnenvorhanden sein sollte, es doch sehr gute Leute unter den Ketzerngiebt, z. B. Eduard. Wir müssen nun sofort Eduard aufsuchen;das ist das Ganze. Du hast doch die Adresse, Mutter, vomHotel de Graffont? In Deinem Notizbuch ist sie aufgeschrieben."
Madame Montöres kämpfte, beschämt über ihre Schwäche,ihr Leid nieder, und bald war sie auch wieder gefaßt. Ihr natür-licher Bcrstand sagte ihr, daß es nicht gerade weise sei, alsoweinend auf der Straße zu stehen, indes die Abcndschatten bereitssich um sie senkten, und daß sie ein Obdach für sich und ihre Tochter-suchen müßte.
„Jetzt ist es schon zu spät dazu," beschiel) sie diese; „dasHvtcl de Graffont liegt all zu sehr aus dem Wege. Wir müssen