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gewöhnlich von den Frauen getragenen Kapuze, als zu deren Standegehörig sie erscheinen wollte, nahm ein Körbchen und ging mitinnigem Abschiedsgruß für ihr Kind hinaus.
Zunächst lenkte sie ihre Schritte nach den „Hallen", wo schondie berühmten stämmigen, zungenfertigen Marktweiber aufgereihtvor ihren Tischen und Buden saßen und geschäftig ihre Kundenbedienten, wobei sie zur Abwechselung mit ihren Ellbogen um sichstießen oder einen Strom von Schimpfredcn irgend einem un-redlichen oder knausernden Käufer entgcgenschleuderten. Fast un-beachtet schritt die stille, schwarz gekleidete Gestalt durch diegeräuschvolle Menge, bis sie eine Ecke erreicht hatte, wo eine alteFrau, stiller als die übrigen, Fleischstückchen verkaufte, wie sieetwa die Arbeiter sich in ihrem bekannten „pok au k'su" zu kochenpflegten. Einige Sons für ihr Teil hinzahlend, dazu für allerhandSuppcnkräuter und Brot, fragte sie, ob sie wohl den Korb beiihr stehen lassen könne für ein Stündchen oder zwei.
„Recht gern, Madame!" erwiderte die alte Babct; „sehenSie, ich stell' ihn hier unter meine Bank, da ist er gut aufgehoben."Als Madame Montöres außer Sicht war, sagte sie zu ihrer Nach-barin: „Siehst Du, ich laß mich auf der Stelle gleich zum Bürger-meister schleppen und wegen falschen Gewichts auf die Stirnbrennen, wenn die Frau dort nicht früher hübsch zu Hanse hatsitzen und ihre Dienstleute für sie auf den Markt schicken könnenund alles bei ihr vollauf war! Potz Element! Ich versteh' michdarauf, ob ich eine große Dame vor mir habe. Aber krank genugschaut sie anS."
Madame Montbres hatte unterdes den Markt verlassen undging mit rasche», erregten Schritten — nicht zu dem Jnwelierladcn,ihren Ring zu verhandeln, sondern in eine ganz entgegengesetzteRichtung. Eine ncuerwachte Hoffnung verlieh ihren schwachen,müden Füßen Kraft und Stärke. Hatte ihr nicht Matthicn Maningestern gesagt, daß eine Schar von Maurern jetzt bei dem Hoteldes Herzogs von Graffont Arbeit erhalten hätten, und daß einerseiner ersten Kavaliere zur Stadt gekommen wäre. um die zutreffenden Umänderungen zu überwachen? Sie hatte diese Kundevor Gencviävc verborgen, um ihr etwaige Täuschung zu ersparen;