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Montöres, oder vielmehr, sie suchte sich zu vergewissern, als vvuetwas, darauf sie zuversichtlich rechnete.
„Sicher wird er das nicht, Madame. Doch solch Nachforschenist recht trübselig, da sich dvch nur das Aussein allen Hvffensdadurch ermitteln lassen wird. Auf Wunsch des Herzogs, dem esaußer allem Zweifel steht, daß Scrconrt das Opfer eines Mordesist, haben wir sämtlich Trauer angelegt. Alle erdenklichen Ehrensind dem Gedächtnisse des jungen Mannes erwiesen worden, denner war der Stolz und Augapfel des ganzen Haushalts, vomHerzog bis zum untersten seiner Diener herab. Der Herzog vcrwendet ein ganzes Vermögen auf Messenlesenlasscn für seine armeSeele."
„Aber Eduard war ja Protestant."
„Das schon, Madame; er gehörte zu der Religion" (dieKatholiken Pflegten die protestantische Religion schlankweg „dieReligion" zu nennen). „Doch es ging das Gerücht, daß er imBegriffe sei, katholisch zu werden, und daß er dies schon im Herzenwar, läßt sich mit Gewißheit annehmen. Der liebe Gott wirdschon ein Einsehen haben, daß es nicht sein Fehler war, daß erohne die letzten Sakramente ins Jenseits zu gehen genötigt wordenist. Doch, Madame, Sie müssen mir erlauben, Wein zu holen;Sie sind krank."
„Nein, das bin ich nicht, mein Herr! Ja, ja, der liebeGott wird ein Einsehen haben," fuhr sie in still träumerischemTone fort, „ich weiß Eduard bei Ihm geborgen. Er wird ihnnicht von Sich stoßen, weil der Priester nicht zur Stelle war, alsEr ihn zu Sich rief. Wie licht mir alles wird, wundersam licht!"— Dann, nach einer Pause fügte sie hinzu: „Doch ich muß gehen,mein Herr, muß dies alles meiner Tochter erzählen. Ich fürchte,daß sie sehr schwer daran zu tragen haben wird. Sie hielt' sogroße Stücke auf Eduard Scrconrt. Mich fichl's nicht so sehr an,darum muß ich suchen, sie zu beruhigen, ihr Trost zuzusprechen."
„Verzeihen Sie, Madame, aber Sie sehen nicht im geringstenso aus, als könnten Sie solchen Gang jetzt machen. Sie solltenes nicht versuchen," wandte Herr von Hondidöt ein.