— 5^ —
Sie blickte kläglich von einem znm andern, als wollte sie vonihnen Erklärung erflehen über etwas, was sie nicht zn verstehenvermochte. Da schob Matthien seine Mutter beiseite, mit einerMiene so voll Autorität über sie, wie Genevwve solche nie anihm gesehen. Respektvoll sich ihr nähernd, sagte er: „Fräulein,ich habe Ihnen leider üble Kunde zu vermelden. Ihre FrauMutter ist krank, ist ins Hotel Dien gebracht. Dieser gute Mannhier," damit wies er auf den Fremden, „ist ein zum Hotel Diengehörender Portier, und hat man ihn zn Ihnen gesandt, Sie zuholen."
Da ward Genevwve bleich bis an die Lippen, und wie einEspenlaub zitternd, sah sie aus, als wolle sie umfallen.
„Run, nun, Fräulein," meinte da Mutter Manin, und dies-mal that ihre derbe Art gute Dienste; „wenn Sie gleich ohn-mächtig werden wollen, wie eine große Dame, so werden Sie wohlIhre Mutter nicht mehr lebendig zu sehen bekommen."
Gencviöve zuckte bei diesen grausamen Worten wohl zusammen;doch sie halfen immerhin, daß sie sich zusammenraffte, um mitihren beiden Begleitern aufzubrechen.
Matthien sah sich im Zimmer um und erspähte einen warmenweichen Shawl; den nahm er und hüllte ihn um das zitterndejunge Mädchen. Daraus bot er ihr seinen Arm und bedeutete deinPortier, er solle den Weg zum Hotel Dien ihnen vorausgehen.
Mutter Manin folgte ihnen schweigend bis an die Hausthür;dann aber rief sie zornig aus: „Matthien, Matthien!"
„Mach' Dir keine Unruhe, Mutter, wegen meines Mittag-essens!" sagte er, sich nach ihr umschauend; „ich werd' möglicher-weise nicht wieder bis dahin zurück sein."
„Aber Matthien, höre doch, Matthien!" und die Worte kamenschneidig scharf und hastig hervor, wie Pistolenschüsse. „Wenn Dunicht sofort den Arm dieses Mädchens losläßt und zurückkommst,so siehst Du Deiner Mutter Gesicht nie wieder."
Nun war aber auch des Sohnes Blut in Wallung gebracht;mit einer Kälte, die noch mehr aufreizen konnte, als der MutterWutausbruch, erwiderte er ihr: „Meinetwegen, wenn's Dir beliebt,meine gute Mutter!"