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Geneviève, oder, Die Kinder von Port Royal : eine Geschichte aus dem Frankreich vergangener Tage / von D. Alcock ; übersetzt von Elisabeth Klee
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über ihren kleinen, neugeborenen Stammhalter seien, der alle Tagehübscher und holder sich entfaltete. Die Geburt dieses Knäbleinshatte auch Eduard nud Geuevieve iuuig erfreut, obwohl damit ihreAussichten auf die dereiustige Erbschaft des Hauses Graffout fürimmer vernichtet waren.

Der Herzog hat Madame einen eigenhändigen schriftlichenGruß geschickt samt einem Päckchen," und damit reichte er ihrbeides hin.Er hieß mich sehr vorsichtig damit umgehen, da sichdarin Schmucksachcn und auch Bilder befänden, von Herrn Pctitotgefertigt."*)

Mit echter weiblicher Neugierde erbrach Gcncvwve alsbalddie Siegel; doch dann hielt sie inne und fragte:Und wie gehtes der Frau Herzogin de la Fenillade?"

Ach Madame, ich kann wirklich nichts andres Ihnen bcrichten, als daß sie recht elend und krank aussieht. Seit demTode ihres armen Kiudleius hat sie sich nicht wieder richtig erholt.Es war auch gar zu traurig, Madame! Das arme Würmchcnschien noch eben ganz wohl, und im nächsten Augenblick war esaus mit ihm. Gelitten hat es freilich gar nicht, aber ach! es hatja nicht einmal getauft werden können das ist doch gar zuschrecklich."**)

Freilich, doch, Henri, der gute Hirte sammelt seine Lämmer inseine Arme," sagte Genevwve, ihn mit feuchten Augen anblickend.

Ach, wenn doch Mndame dabei gewesen wären, die armeDame zu trösten! Das hat ihr Fräulein mir auch gesagt. Sieerzählte mir, daß die Frau Herzogin niemals klagte weinen hatsie auch kaum jemand gesehen. Gegen jeden ist sie gut undfreundlich, und alle hängen ihr in Liebe an; doch sie ist gar zuruhig und still. Hier aber ist ihr Brief, auch ei» Buch für

*) Einem damals berühmten Maler in Email, dazu ein Hngcnott.

Die Herzogin erhielt vier Kinder, drei davon starben früh, das viertehinterließ keine Nachkommen. Sie selbst starb im Jahre Ilidist am Krebs, wieCousin sagt,unglücklich, im steten Zwiespalt zwischen ihren geistlichen Beraternund den Ansprüchen der Gesellschaft, überhäuft mit den AnathemaS von PortRoyal, und doch war sie eine pflichtgctreue Gattin wie ebensolche Tochter geWesen". Doch, ob das Licht hier ihr fehlte sie fand es droben.