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gewußt, noch von der Geschichte und Litteratur. So überlegen er auchim Bereich der inneren Wahrheit war, zur Beurteilung der äußerenGestalt unsers Glaubens konnte er doch nicht als kompetent an-gesehen werden. Dazu band und fesselte ihn ein System, dasauf manchen Punkten seine Begriffe von Wahrheit und Lüge ver-wirrte. Darum nahm in seinem sonst so klaren und tiefen Geistedas Wunder jenes „heiligen Dorns" den gleichwertigen Platz einwie die unsers Herrn und Seiner Apostel. Für diejenigen, welchenihr Herz noch nicht erschlossen ist für die volle Höhe und Tiefeder Zeugnisse Christi und darum noch begehren, zum Glaubenan Ihn „um der Werke willen" geleitet zu werden, halte ich Deinengroßen Pascal nicht für den besten Lehrer, meine Gcneviöve!Aber ohnegleichen und unschätzbar ist er für die, deren Augenbereits gesalbt sind, daß sie die besten Beweise für das Christentumin Christo selbst erblicken nnd das größte aller Wunder in demnimmer endenden, zu allen Zeiten in den Herzen aller derer, die Ihnlieben, wieder neu werdenden Wunder, wie Er Macht hat, allunser tiefstes Bedürfen zu stillen nnd unserm innersten Sehnengenug zu thun."
„Und für diese letzteren giebt es auch noch kostbare Lektionenzu lernen, mein Eduard! Schau', was ich eben finde am Endedieses Büchleins: „Thue kleine Dinge so, als wären sie groß, umder Majestät unsers Herrn Jesu Christi willen, und große, alsob sie klein nnd leicht wären, um Seiner Allmacht willen!" Ichkann nicht umhin, daran zu denken, mein Eduard, daß die Hand,welche dies geschrieben hat, etwas Geringes that, als ob es etwasGroßes wäre, als sie sich zu dem armen, verlassenen Mädchen ander Schwelle von St. Sulpice niedcrneigte, um es zu retten."
„Das halte ich für ein großes Ding; wenigstens war esdas für mich. Es sind wohl große und erhabene Worte, meineGencviöve! Wollen wir uns beide jetzt darauf die Hand reichen,daß wir sie zur Richtschnur unsers Lebens machen, das ja nunein einziges Leben geworden ist?" ^