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eine allgemein als wahr angenommene Episode des Feldzuges, denKampf um das Urnerloch, als „fable convenue“ nachgewiesen zuhaben, nicht gebührend anerkennen zu wollen. Aber abgesehen davon,dass die Beweisführung der beiden letztgenannten Historiker geradein Bezug auf die erwähnten Fragen manches zu -wünschen iihrig lässt,haben überhaupt alle drei genannten Darstellungen ihre Schwächen.Meyers Urtheil über Ivorsakoff ist entschieden zu günstig, v. Sybelfolgt in der Schilderung des Suworoff’schen Feldzugs so ziemlichder hergebrachten Tradition und v. Bernhardi schliesst sich hin-sichtlich der Urheberschaft des grossen Angriffsplanes vom September1799 und anderer Dinge viel zu sehr der russischen Auffassung an.So schien es dem Verfasser durchaus nicht überflüssig, die bishergewonnenen Ergebnisse zu einem einheitlichen Bilde zusammen-zufassen und wo nöthig noch einlässlicher zu begründen. Drei Fragensind es in dem Feldzuge Suworoff’s besonders, rvelche nach meinerAnsicht allgemeineres Interesse erregen: Diejenige nach den Ur-hebern und Beweggründen des Angriffs auf den Gotthard, dann dieVorgänge am Urnerloch und an der Teufelsbrücke und endlich dieWahl des Rückweges über den Panixerpass, und gerade diese Fragensind wie mir scheint, noch nie allseitig und erschöpfend behandeltworden. Man wird es daher gerechtfertigt finden, wenn ich geradediese Fragen einlässlicher erörtert habe, so einlässlich als es über-haupt im Rahmen dieser Arbeit möglich war. Im übrigen hoffe ich,diese letztere, welche vielleicht mein - Zeit rmd Mühe erfordert hat,als es auf den ersten Blick den Anschein haben möchte, werde ihreRechtfertigung in sich selbst tragen.
Was die Quellen anbetrifft, so war ich freilich nicht in derLage mich in Archiven, Handschriftensammlungen und dergleichenumselien zu können, aber ich habe mich redlich bemüht, das mirvorliegende Material so sorgfältig wie möglich zu benützen. Undhier muss ich noch eine Bemerkung einflechten. Bei Anlass meinerobenerwähnten Vorträge hatte ich dem Wunsche Ausdruck gegeben,der Feldzug von 1799 in der Schweiz möchte, da die Arbeit Wieland’sdoch wohl veraltet und grossentheils sehr unselbständig ist, neuer-dings von einem schweizerischen Offizier in eingehender Weise dar-gestellt werden. Dieser Wunsch ist nun seither in Erfüllung ge-gangen. Das Werk von Hrn. Infanterie-Instructor Hauptmann Boillot„La Campagne de 1799 en Suisse“ ist eben jetzt vollständig er-