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auf zusammengesetzte Bewegungen und auf den gleichzeitigen An-griff entfernter Colonnen berechnet“ gewesen sei (II, p. 265—267).In einigen der erwähnten Schlachten war der Erzherzog selbstSieger; aber es zeigt sich doch auch hier wieder — diese kurzeAbschweifung wird mir gestattet sein — wie viel schwerer es ist, selbstim gegebenen Falle richtig zu handeln, als Andern gute Lehren zugeben. Wäre der Erzherzog nicht selbst in den von ihm gerügten Fehlerverfallen, so wäre er vermutlilich nicht genöthigt worden, die Schlachtbei Wagram, die er hier nicht erwähnt, die aber wichtiger und folgen-reicher war, als die meisten der von ihm genannten, abzubrechen.
Noch möchte ich hier eine andere Erwägung einflechten. Manist unwillkürlich geneigt, Vergleiche zwischen Suworoff’s Zug undandern militärischen Alpenübergängen anzustellen, namentlich drängtsich ein solcher Vergleich mit dem Zuge Bonaparte’s, der ja nureinige Monate später stattfand, unwillkürlich auf. Strategisch be-trachtet, fällt derselbe natürlich zu Gunsten Bonaparte’s aus, dennder Plan SuworofFs war eben von Anfang an verfehlt, während der-jenige Bonaparte’s auf einem Wege, wo der Feind keinen Angrifferwartete, in Flanken und Bücken des Gegners führte. Handelt essich aber um die militärische Leistung der Truppen als solche, sowäre es andererseits ungerecht, den Parademarsch, den der ersteConsul bei schönem Wetter, ohne vor dem Fort Bard 1 ), weit hinterAosta, auf irgendwie nennenswerthen Widerstand zu stossen, in allerBuhe ausführen konnte, mit der höchst schwierigen Operation derBussen, die an verschiedenen Stellen vom Feinde in der ernstlichstenWeise aufgehalten wurde, zu vergleichen. Die Palme gebührt hierunbedingt der russischen Ausdauer und der unerschütterlichen, wenngleich eigensinnigen, Entschlossenheit Suworoß’s. Letztere tritt nament-lich in dem Marsche über den Kinzigkulm zu Tage, mag man den-selben auch sonst für höchst bedenklich halten. Auch Bernhardisagt (I, p. 80): „An sich, als Tliat ausdauernden Heldensinns,stehen zwei Unternehmen nahe verwandter Natur wohl ohne Vergleichhöher (als Bonaparte’s Marsch): Suworows Zug durch die Schweizund Macdonald’s Zug über den Splügen“ (Dezember 1800). 2 )
D Wie hätte es übrigens mit Bonaparte’s Plan ausgesehen, wenn sich dortwirklich nennenswerthe österreichische Streitkräfte an Stelle einer schwachen Be-satzung befunden hätten?
2 ) Dies ist auch die Anschauung Sybel’s, dessen Darstellung ich auch hierwieder erst nachträglich verglichen habe, V, p. 613.
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