185
Woinoff auf das rechte Ufer zurückgehen und die Brücke zerstören.Die Franzosen aber unternahmen Abends 10 Uhr (nach v. Staal,der hier wohl besser unterrichtet sein kann, als der Erzherzog undJomini, welche die 7te Abendstunde oder die Dämmerung als denZeitpunkt dieses Sturmes nennen) noch einen wüthenden Sturm aufden Brückenkopf hei Biisingen vom Scharenwald aus. Staal schildertbegeistert das prächtige Schauspiel des feindlichen Geschütz- undKleingewehrfeuers in der dunklen Octobernacht, welches eine ganzeStunde lang währte. Indessen wurde der Angriff abgeschlagen (nachStaal mit einem Verluste von 400 Mann) und die Russen besetztennach dem Erzherzog nun den für ihre Stellung so wichtigenScharen wald.
Ueber das Resultat des Kampfes sind, wie gewöhnlich, dieMeinungen wieder getheilt. Nach den Memoiren Korsakoff's undWistizky’s (Mil. IV, Beil. 169, p. 300), denen natürlich auch Miliutinfolgt, war Korsakoff durchaus freiwillig zurückgegangen, da derZweck der Demonstration erreicht war, und der Feind befand sichim Naohtheil. Darum erwähnt Miliutin auch die Erzählung vomSturm des Brückenkopfs nur flüchtig in jener Beilage und in ab-Aveisendem Sinne; denn dieser Sturm passt allerdings nicht gut zumfreiwilligen Rückzug der Russen. Ganz anders Staal, der wedereinen offiziellen Bericht, noch eine Selbstvertheidigung schreibt,sondern einen Brief an einen Freund! Er sagt kurz und klar:„AVir erfochten den schönsten Sieg; jetzt aber fing ein ganz andererKampf an; wir mussten die Ungeschicklichkeit unseres comman-direnden Generals büssen, und verloren eine Schlacht, nachdem wil-den Feind 3 Stunden AVegs gejagt hatten; alle gemachte Beute anKanonen und Fahnen ging ivieder verloren, und unsere InfanterieA’erlor dazu noch 4 Kanonen und 7 Fahnen“, u. av. u. : „Um 1 ., 8Uhr Abends Avaren Avir total geschlagen und hatten nur den Brücken-kopf noch am jenseitigen Rheinufer“. Aehnlich äussern sich dieFranzosen. Da Staal zu pessimistischer Entstellung der Thatsachengewiss keinen Grund hatte, so müssen wir seiner Darstellung gegen-über offiziellen (auch Miliutin schreibt ja auf Befehl des Kaisers)oder interessirten Schönfärbereien den Vorzug geben. Bernhardischliesst seine kurze Randglosse zu dem Staal’schen Briefe boshaft,aber treffend Avie folgt: „Auch scliAveigen die offiziellen Berichte,man möchte sagen, in herkömmlicher AVeise, über die verlorenen