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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtschreiber / von Otto Hartmann
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Kanonen und Fahnen. Ueber den Verlust an Mannschaft machtMiliutin nach einem Berichte SuworofFs vom 20. Oetober die sehrunzuverlässige und sehr wahrscheinlich zu niedrige Angabe von272 Todten und 494 Verwundeten.

Am entschiedensten aber trat der Erfolg der Franzosen beiConstanz zu Tage. Das Corps des Prinzen Conde stand vor derStadt auf der Schweizerseite. Auf dem rechten Flügel (in südwest-licher Richtung) standen die Russen unter General Baur 1 ), auf demlinken gegen den Bodensee zu die Emigranten unter dem Herzogvon Enghien. Diese Thatsache verdient betont zu werden, weilman so gern den jungen Prinzen als ein unschuldiges Lamm dar-stellt, das Niemand das Wasser trüben konnte. Enghien hat immer-hin gegen Frankreich gelochten, eine Thatsache, die übrigens natür-lich die Völkerrechtsverletzung und den Mord Bonapartes nichtentschuldigt. Ueber das Terrain, auf welchem der nun folgendeKampf stattfand, sind wir nicht genau unterrichtet. Der Erzherzog(II, 276), Jomini und Miliutin (IV, p. 141) schildern es überein-stimmend als sehr coupirt, mit Weinbergen und Wäldern bedeckt,oder auch von Schluchten, Gräben und Gartenzäumen durchschnitten.Man möchte glauben, dass die drei Kriegsschriftsteller die Umgegendvon Constanz nie gesehen haben, im andern Falle sollten sie unswenigstens sagen, dass der Kampf sich in ziemlicher Entfernungvon der Stadt abspielte, denn auf der Schweizerseite ist die Gegendüberall bis auf eine gute Viertelstunde so eben, wie nur möglich,und von Schluchten findet sich da keine Spur, allerdings hie undda ein kleines Rehland. Nach Südosten und nach Südwesten er-streckt sich die Ebene sogar :J / 4 Stunden weit, nur direct südlicherhebt sich in einer Entfernung von einer starken Viertelstunde einHöhenzug, an dessen Abhang dann auch erst die Waldung beginnt(jetzt erst ziemlich weit oben, damals mag sie allerdings weiterhinab gereicht haben). Der Verlauf des Kampfes macht es aberkaum wahrscheinlich, dass derselbe in solcher Entfernung von derStadt begonnen habe, auch hätte die russische Cavallerie auf jenemHöhenzuge gar keine Gelegenheit zu einer rechten Aufstellung ge-habt. Auch bei Deiner erfahren wir hierüber nichts näheres. Es

*) Zu diesen gehörte vermuthlich auch Titoff resp. das Regiment Rasumowsky,dessen Stellung bei Miliutin nicht näher erwähnt wird, obgleich es in diesemKampfe Verluste erlitt (vgl. Mil. IV, p. 302).