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und Kutusoff nichts wagte, obgleich er ohne Zweifel liier einenzerschmetternden Schlag führen konnte. Von jetzt an nahm dieAuflösung innerhalb der napoleonischen Armee in Folge der ein-tretenden Kälte noch reissend zu, die nun folgenden Waffenthatender Russen sind daher schon deshalb, abgesehen von andern Gründen,sehr gering anzuschlagen. Die Gefechte hei Krasnoi vom 15.—17.lieferten für dieselben geradezu ein beschämendes Ergebniss. Am15. wurden blos ein Haufen Nachzügler zersprengt, in der Nachtsogar eine russische Abtheilung übel zugerichtet, am 16. verlor derVicekönig wieder einige tausend Mann -— grossentheils Nachzügler— hatte aber seinen Zweck erreicht Am 17. aber griff Napoleonselbst den sehr überlegenen Feind an, um den Rückzug zu er-leichtern, 16,000 Mann gegen mindestens 35,000! Kutusoff aberhatte, wohl seit Austerlitz, während dieses ganzen französischenRückzugs eine so heillose Angst vor Napoleon, dass er seine Ueber-maclit auch hier nicht recht zur Geltung brachte. So konnte Napoleon,wenn auch nicht ohne Verlust, das Treffen abbreclien und den Rück-zug fortsetzen. Hätte Kutusoff in diesen Tagen grössere Energieentwickelt, so konnte er die Reste der feindlichen Armee vernichtenund Napoleon gefangen nehmen. Unter einem Feldherrn vom SchlageSuworoff’s wäre ein solches Ergebniss sicher gewesen. Der unparteiischeChambray schreibt: „Kutusoff machte in den Gefechten am 16. und17. ungefähr 8000 Gefangene, fast lauter Nachzügler und nahm vieleArtillerie weg, aber nur solche, die man hatte stehen lassen; schimpf-liche Trophäen, da die Gewalt der Umstände ihn, so zu sagen, dazuzwang sie aufzulesen, während er die Gelegenheit, die Armee vonMoskau zu vernichten und den Krieg mit einem Schlage zu be-endigen, hatte entschlüpfen lassen“ (vgl. Bernhardi II, p. 336). Amfolgenden Tage wurde dann Ney’s Corps freilich von der Uebermachtsehr übel zugeriohtet, entkam aber doch auf einem Rückmarsch, der ihmmehr Ehre machte, als den Verfolgern. Am 23. wurde Tschitschagoffvon Oudinot überfallen und trotz fast dreifacher Uebermacht vollständigin die Flucht geschlagen. Das ganze Gepäck blieb in Feindeshand.An der Beresina erkämpften sich die Truppen Oudinot’s und Victor’sgegen wiederum fast dreifache Uebermacht den Uebergang, fügtenden Russen schwere Verluste zu und machten 2000 Gefangene.
Dies war der Feldzug der grossen Armee. Bei den Gefechten,die noch folgten, wurden im wesentlichen nur Nachzügler und Ge-