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schütze erbeutet. Was die beiden Flügel anbelangt, so war auf demrechten, bei Schwarzenberg, so gut wie nichts geschehen, denn dieserhatte seiner Instruction gemäss, den Krieg absichtlich lässig undzögernd geführt. Im Norden operirten Macdonald, St. Cyr undOudinot im allgemeinen mit Glück. Mit preussischer Hülfe vertriebMacdonald die Küssen aus Kurland, St. Cyr schlug im August undOctoher Wittgenstein, die Preussen behaupteten sich hei Kiga gegenüberlegene Streitkräfte unter Steinheil.
Was diesen Krieg im Allgemeinen anbetrifft, so war die FührungKutusofFs jedenfalls nicht besser, als die Barclay’s. Bei energischemVorgehen wäre es wohl dreimal möglich gewesen, das geschwächteund entmuthigte Napoleonische Heer gefangen zu nehmen oder zuvernichten, das erste Mal hei Wjäsma, das zweite Mal hei Krasnoiund endlich vor allem an der Beresina. Aber KutusofF bewies ebeneine an Feigheit grenzende Scheu vor Napoleon. Auch wurden dieMärsche der Küssen sehr langsam ausgeführt, wie überhaupt derVerlauf des Feldzuges darauf hindeutet, dass der russische Soldatim Jahre 1812 nicht mehr dieselbe Ausdauer zeigte, wie derjenigeSuworoffs (vgl. Bernhard! II, p. 371). Die häufig gehörte Ausrede,dass die Armee Napoleon’s von seihst zu Grunde ging und KutusofFdas Blut seiner Soldaten schonen wollte, wie auch Oncken wiederbehauptet, ist ganz unstichhaltig. Denn wie Bernliardi ganz richtigbemerkt, waren die Geretteten zwar an Zahl gering, aber haupt-sächlich Offiziere und tüchtige Unteroffiziere, ohne deren HülfeNapoleon kaum wieder eine feldtüchtige Armee bilden konnte. Undwenn, was namentlich an der Beresina, aber auch bei Krasnoi möglichwar, Napoleon gefangen wurde, so war der Krieg mit einem Schlagzu Ende und Russland hatte sich allein das Verdienst der BefreiungEuropas erworben. Welch’ glänzende Stellung stand ihm da in Aus-sicht! Andererseits konnten die Verluste der Russen nach ent-scheidenden Schlägen nicht grösser sein, als sie es, theilweise inFolge der langsamen und vielfach zwecklosen Märsche und der sichdaraus entwickelnden Krankheiten, waren. Auch dieser Umstandzeugt von der höchst mangelhaften Heeresleitung KutusofFs.
In dem nun folgenden Befreiungskriege wurde zwar zunächstdie russische Führung beibehalten, allein bekanntlich hatten vordem Waffenstillstand die Verbündeten wenig Erfolg. In dem Treffenhei Möckern (5. April, hei Magdeburg) thaten die Preussen unter