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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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zogen, um im Dienste fremder Herren Ungebunden-heit, Ruhm, Sold und Beute zu suchen. Aber es warendies doch ursprünglich nur kleine Teile der Bevölke-rung gewesen. Seit dem Zürichkrieg aber war unserYolk kaum mehr aus den Kriegsrüstungen herausge-kommen, das heranwachsende Geschlecht träumt nurnoch von Waffenthaten und Ruhm. Rach den glän-zenden Siegen über Karl den Kühnen vollends liessein ungemessener Hang nach Fortsetzung des wildenLebens und dem zügellosen Treiben des Feldlagersdie kriegerische Jugend nicht mehr zur Ruhe kommen.

So nahm denn die Reisläuferei und das damit imZusammenhang stehende Pensionenwesen bald in ganzerschreckendem Hasse überhand, um in den erstenJahrzehnten des 16. Jahrhunderts den Höhepunkt zuerreichen.

Wir haben hier diese Erscheinungen nur vonihrer wirtschaftlichen Seite zu betrachten. Wie nichtohne Grund gesagt worden ist (vergl. die Einleitungvon H. Escher zu den Feldzügen der Schweizer nachOberitalien), braucht man in der Reisläuferei, sofernsie sich innerhalb gewisser Schranken hielt, durchausnicht ein Symptom krankhafter Zustände zu sehen.Der Boden unseres Landes war nicht so reich, dassseine Erzeugnisse zur Ernährung seiner Bewohner hin-gereicht hätten. Der Ackerbau in den Alpenthälernging mehr und mehr zurück, um der Viehzucht undMilchwirtschaft Platz zu machen.

Bei dem gleichzeitigen Anwachsen der Bevölke-rungwurde erhöhte Kornzufuhr von ausseu notwendig;dagegen ergab sich ein bedeutender Überschuss vonArbeitskräften. Bei dieser Situation lag nun kein an-derer Ausweg so nahe, wie der fremde Kriegsdienst.Was aber im Anfang als gesunder Ablenker seine guten

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