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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Denn zu Zollikofen seien vor wenig Jahren sechsLehengüter gsin, von welchen die Herren Engel undGross zwei ganze verstücklet, die Hatten für sich be-halten, Hölzer ausgereutet und viel Tauner-Hüslidarauf gebaut und mit armen Leuten besetzt;*) dess-wegen diese Gmeind unterthänigst begehrt, dass siedieser Armen halber erlassen und deren Erhaltungden gedachten Herren übergeben werden solle.

In der Herrschaft Reichenbach ist der Hof Ober-und Niederbüelikofen, deren Besitzer sich erbotenihre Armen selbst zu erhalten ohne der Oberkeit nochder Nachbarschaft einiche Beschwärd noch Entgeltnuss.Auch in der Herrschaft Reichenbach wird geklagtüber die Zerstückelung der Lehengüter durch denRatsherrn Engel und Stadtschreiber Gross. Wo vor-her ein Hof und haushäblicher Sitz auf der Land-garben gewesen, sitzen jetzt 25 oder 26 Haushaltungen,von welchen keine der andern Handreichung zu thunvermöge.

Daneben, bemerkt Herr alt-Landvogt Gross inseinem Auszug, seien noch viel andere Klagen ein-gelaufen, die in dem angegebenen schriftlichen Berichtumständlich zu finden seien. Aus dem Beispiel vonBremgarten ist deutlich zu sehen, von welchen Zu-fälligkeiten die Verarmung einer Ortschaft abhängenkonnte. Was die grossen Besitzer sündigten, um ausihren Gütern möglichst viel herauszuschlagen, solltennachher die Gemeinden büssen.

Leider finden sich derartige genauere Nachrichtenüber einzelne Ortschaften im 17. Jahrhundert nur sehrselten.

*) Man sieht, dass damals diese vorteilhafte Kapitalanlageauch schon bekannt war.