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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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sächlichste Landplage bildete das fremde Vaganten-volk und das heimatlose fahrende Gesindel, welchemnur äusserst schwer beizukommen war, da nach einerAustreibung immer wieder neue Scharen zuströmten.

In der folgenden Periode werden wir in jederBeziehung viel schlimmere Zustände antreffen.

II.

Das Zeitalter der Bettelordnungen.

(15711690.)

Wirtschaftliche Verhältnisse.

Wie in politischer, so ist auch in wirtschaftlicherBeziehung der Zeitraum von den letzten Decenniendes 16. bis Ende des 17. Jahrhunderts eine der uner- jquicklichstcn Epochen unserer heimischen Geschichte. *Vom Jahre 1570 an bis 1600 waren nur ganz wenigeErnten, die einen ordentlichen Ertrag ergaben. Nacheiner landwirtschaftlichen Chronik für den KantonZürich x ) waren dort in diesem Zeitraum 13 Jahresehr gering, 10 Jahre gering, 5 Jahre unter mittelund nur 2 Jahre über mittel. Im Kanton Bern sahes nicht viel besser aus. Fröste, Hagelschläge undÜberschwemmungen richteten Jahr für Jahr grossenSchaden an. Den geringen Ernten entsprachen diehohen Frachtpreise, die in einzelnen Jahren eine ganzausserordentliche Höhe erreichten. Der Durchschnitts-preis in den siebzieger Jahren betrag ungefähr 2 72 malso viel als in den fünfziger Jahren, und auch in denbeiden letzten Jahrzehnten noch mehr als das Doppelte.

') Zürcher Jahrbuch für Gemeinnützigkeit, Jahrgang 1877.