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wachsene mit eingerissenen Lastern und einem schonangewohnten Müssiggang zu ziehen, ist selten möglich.Aber die Kinder lassen sich durch den Unterricht,das Exempel und vernünftig angewandten Zwang fastzu allem biegen, was man von ihnen verlangt.“ Ineiner anderen Schrift, in welcher die Massregeln be-sprochen werden, wie man der zunehmenden Ver-armung im Oberland Vorbeugen, die Bevölkerung vomBettel abhalten und zur Arbeit gewöhnen könnte, wirdgesagt: „Am meisten sei noch von der Einwirkung auf dieJugend zu hoffen, indem die Alten im Müssiggang undBosheit solchergstalten erhärtet, dass wenig fruchtbar-liches von ihnen wird zu gewarten stehen. Darumbdie Jugend mit besonderer Sorgfalt und ohnermüdetemFleiss zur Arbeit, Treu, Frombkoit und Gehorsam,sowohl durch Liehe als durch Strenge angeeifert unddie kleinst scheinende Diebstähl, Betrüg und anderBosheiten aber exemplarisch und den Übrigen zurWarnung und Schrecken abgestraft werden müssen,sonsten man dem Eigenwillen und Müssiggang niemalswird Vorbeugen etc.“
Im letzten Viertel des Jahrhunderts wurden mehr-mals Anregungen zur Errichtung von ArmenerZiehungs-anstalten gemacht. Dieselben gingen hauptsächlich vonder ökonomischen Gesellschaft aus, in deren Bibliotheksich eine reiche Sammlung von meist handschriftlichemMaterial über diesen Gegenstand vorfindet. Sehr be-merkenswert ist auch ein „Vorschlag für die Land-sassen und armen Kinder im Kanton“, der im 2. Bandvon Heinzmanns Beschreibung der Stadt und BepublikBern abgedruckt ist. In diesem Aufsatz wird dieErrichtung von Erziehungsanstalten befürwortet, inwelchem die Kinder nicht nur eine gute Schul-bildung bekommen, sondern auch für das praktische