Band 
I. Band.
Seite
12
JPEG-Download
 

12

zweiten und dem dritten Rudolf geherrscht haben soll. Sie wurden sowohlmit den benachbarten Fürsten, als mit ihren eigenen mächtigen Lehens-trägern in gefährliche Kämpfe verwickelt, und auch in die gewaltigenFehden Italiens hineingezogen. Unter solchen Umständen mußte angese-henen Bischöfen und Grafen weit mehr bewilligt werden, als der Würdeder Krone angemessen war und auch die Unabhängigkeit nach Außen konntenicht immer vollständig erhalten werden. Die staatsrechtlichen VerhältnisseHochburgunds zum deutschen Reiche sind keineswegs klar, doch mochtewohl Hochburgund den Schirm des Reichs nicht immer entbehren. End-lich machten im Anfang des zehnten Jahrhunderts die Ungarn furchtbareEinfälle, bei welchen die Hochburgundischen wie die benachbarten Länderauf das entsetzlichste mitgenommen wurden. Aber Konrad und Rudolf III.,der letzte Fürst des Hochburgundischen Stammes, hatten sich den deutschenKönigen näher angeschlossen als ihre Vorgänger. Schon Heinrich II. ausdem sächsischen Stamme war von Rudolf III. als Erbe Und Nachfolgeranerkannt. Als dieser Kaiser indessen kinderlos dahin gieng, wurde daskünftige Schicksal Hochburgunds wieder zweifelhaft. Allein HeinrichsNachfolger im deutschen Reiche der fränkische Konrad ergriff so kräftigeMaßregeln, daß auch er bald als Erbe Rudolfs anerkannt wurde, unddieser während seines ganzen übrigen Lebens nichts mehr ohne den Rathdes deutschen Königs vornahm. Endlich trat im Jahr 1032 durch dasAbsterben Rudolfs der Erbfall wirklich ein, und von da an blieb Hoch-burgund bei dem deutschen Reiche.

Im Anfang des zehnten Jahrhunderts führte Rudolf II. einen un-glücklichen Krieg mit dem Herzoge von Schwaben, wahrscheinlich um dasAargau. Für die Völker von Hochburgund nahm er jedoch noch einenglücklichen Ausgang, denn er endigte sich mit einer Heirath ihres Königsmit Bertha, der Tochter des schwäbischen Herzogs, der trefflichsten Fürstinihrer Zeit, deren Andenken in diesen Ländern zum, bis auf unsere Tageerhaltenen, Sprichworte geworden ist. Im Jahr 961 gründete sie als könig-liche Wittwe Peterlingen. Von Heinrich dem Vogelsteller erhielt Rudolf II.im Jahr 929 einen Theil des allemannischen Helvetiens, dessen Markenaber nicht genau angegeben sind. Doch weiß man, daß Muri und Egli-san burgundisch wurden, während Zürich hingegen schwäbisch blieb *).Eine Zeit lang trennte der Vierwaldstättersee Schwaben und Burgund,wobei Unterwalden zum letztem gehörte **).

Von den Seen am Jura bis an die Aar in die Gegend, wo jetztBern steht, hin, fand man größtentheils nur wüstes Moorland (Uechtland)

*) Ryhiner, Geschichte des Kantons Bern. iviss. I. Bd. S. 4o.

**) Meyer von Knonau, Geschichte der Schweiz, i Bd. S> 43.