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von dem Königreiche Frankreich.
hen/und sich nicht wert von der Königlichen ca-rosse entfernen / wenn er über fel) verreiset.
Derer hof-apothecken seynd viere/nebst ih-ren vier gchülssen/und ist der apothecker- wa-gen jederzeit in der Königl. suite. Es seyndauch zwey äeMlstors^einordmairer operuror,und viele andere opsratore;, dcrvgllsten/ u.d.m.
Vern'chtun, Die Verrichtungen in dem Königl-gemach ge-schehen folgender Massen:
«qch.' Der König stehet des morgens in derselbenstunde auss/welche er des abends / ehe er sichschlafen geleget/ angedeutet hatte/ und wenn erauch schon zur bestimmten zeit nicht er-wachen solte/ so wecket ihn doch der vornehm-ste kammer--diener mit diesen Worten auss- ^ire,voila l' licure. So bald er nun auffgewachetist/ hat der Dauphin nebst den leZmlnirtenPrmtzen die freyhcit in das Königl. schlaff-ge-mach zu gehen. Die andern/welche nachmalshinein kommen/seynd der Groß-Kämmcrer/ei-ner von den ftrrnehmsten Kammer-Junckern/welcher in selbigem jähre die auffwartung hat/derGroß-meister und die andern meister derGar-derobe/ einer von den vier fürnchmsten Kam-mer-dienern/ einer von den vier vornehmstendienern der Garderobe / der vornehmste leib-rnsckcus,der vornehmste chirurgus/ alle bedien-ten der Garderobe / an welchen die auffwar-tung ist/und einige Personen/ welchen es der Kö-nig aus sonderbarergnade erlaubet hat.Alle die-se Personen nehmen ihren eintritt/ so zu reden/in einem augenblicke zugleich/ und in dein sichder König noch im bette befindet/ so giesset dervornehmste Kammer -diener aus einer flasche/so er in der rechten Hand hat/ etwas von ge-brandten wassern auff des Königs hände/unterwelche er einen vergüldetenteller halt. So dannpr-elsmiret der Groß-Kämmerer/oder der vor-nehmste Kammer-Juncker / dem Könige dasweih-wasser-gefaß/ aus welchem Se. Maiest.weih-wasser nehmen/ und sich mit dem heil.creutz bezeichnen. Wenn alsdann obgedach-te Fürsten und grosse Herren dem Könige et-was zu sagen haben / können sie solches thun.Nachmahls betet derselbe das offioum 8pin-tuz 83nÄi, und thut eine Viertel-stunde lang nochetliche gebet im bette.
Ehe erauffstehet/ kömmt der barbierer/ wel-cher vor die perruqven zu sorgen hat/und hatderen zwey oder mehr von verschiedener längemi der hand/unter welchen der König eine aus-lieset. So bald der König aus dem bette stei-get/ stecket er die Pantoffeln an/welche ihm dervornehmste Kammer - diener überreichet.Der Groß-Kämmerer aber/ oder der vornehm-ste Kammer-Juncker/legetihm den schlaf-rockan/ welchen der vornehmste Kammer - dienerhalt/ und dieser würde ihn dem Könige auchanlegen / wenn jene nicht zugegen wären.Wenn der König nun auffgestanden ist/ nim-mer er wiederum weih-wasser / und setzet sichauff seinen lehn-stuhl mit armen / auff welchemer angekleidet werden soll. Kaum aber ist eraus dem balustre oder den schmücken herausgegangen/ so gehet ein diener der Garderobehinein / welcher von dem nahe am bette stehen-den lehn-stuhle mit armen des Königs bein-kleider und degen hinweg nimmet. Allstersänget sich nun das jenige an/ was am Fränk-
ischen Hofe le petit lever oder das kleine auss-Das »einestehen genennct wird / welches man auch mit Ast"»/dieser redens-art auszudrucken pfleget: U com-lever.
mencea faire petit jourckies le koi.
Alsdenn nimmet der Groß-Kämmerer/dervornehmste Kammcr-Juncker/oder in ihrer ab-wesenheir/ der barbier/ die schlaff-mütze vondes Königs Haupte herunter / welche eindiener der Garderobe^ empfanget; einer abervon den barbierern kämmet den König/ wel-ches derselbe auch selbstcn thut. Mittlerweilehält dem Könige der vornelgnsteKammer - die-ner stets den spiegel vor/ welchen dieser von ei-nem kammer-knechte bekommen hat. Unge-fehr um diese zeit fraget der König nach der er-sten Entree oder cingange/ welches der vor-nehmste Kammer-Juncker noch mit lautererstimme dem kammer-knechte/ so an der thüreist/saget.
So dann fanget sich la Premiere Lril^ee oder Ast' erst»der erste Eingang an / nemlich der kammer-»v^"?re-knecht läst alsdenn die jenigcn hinein/welchensolches recht entweder vermöge ihrer ämtergebühret/ oder welche ein Brevet d' Entreehaben/deren jene seynd die vier Lecretarii descabinets/ die drey übrigen diener der Gardero-be/ die zwey leser der kammer/ und die zweyauffseher und Controllcurs des silber-gcschir-res. Wann der König nun gnugsam gckäni-met ist/ so prselentixet Lhin der barbier die per-ruque/ so er beym ausstehen träget / und wei-che kürtzer ist/als die jenige/welche er sonsterrund den tag über auffzusehcn pfleget. Nach-dem er nun sothane perrugue auffgcsetzet hat/nähern sich die bedienten der Garderobe / umden König anzukleiden / welcher zu gleicher zeitnach seiner kammer oder gen,ach fraget. Safort ergreiffen die kammer-thürhüter die thüredes gemachs/ und gehen mit ihnen zugleich diekammer-dtener/ mantel-träger/ büchsen-trägerund andere bedienten der kainmer/ wie auchdie thürhüter des cabinets u. a. m. hinein.
Wenn die kammer-thürhüter hinein ge-gangen seynd/ so besetzen sie die thüre des Kö-nigl. gemachs/ und nachdem einer von ihnendem vornehmstenKammer-Juncker die nahmender vornehmsten Standes-personen/so anderthüre seynd / heimlich ins ohr gejaget hat / zumexempel/ der Cardinale / Ertz - Bischöffe / Bi-schäffe/des Päbstl.Nuncii» der Gesandten/ Her-hogeundPairs/ Marschalle von Franckreich/Gouverneurs der Provintzicn/General-Lieute-nante/ Ober - Präsidenten der Parlamente u.d.m. nennet hieraufder vornehmste Kammer-Juncker dem Könige die nahmen solcher anwe-senden Herren/ und so bald befiehlet der Königselbige herein zu lasten / oder so ferne er stilleschweiget/wird es schon vor einen befehl gehal-ten. Dieser thürhüter thut alsdenn solchesfeinem cameraden/ der die thüre hält / zu wissen/ihm aber lieget ob/ um den König herum platzzu machen / und die anwesenden in ordnung zustellen., Dem andern thürhüter aber/ so diethüre hält / kömmet zu / nach dem nahmen undconäition derjenigen zu fragen / welche er nichtkennet. Man muß an den thüren des Königl.gemachs/der-mti-cbgmbre und derer cabinetenur sachte kratzen/nicht aber starck anklopffen.
Ja wenn man heraus gehen will/ und die thü-
ren