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Das Hodensacködem durch Circulationsstörungen.
Wenn die Scheidenhaut miteröffhet ist, so soll dieselbe mit einer be-sondern Catgutnaht in frischen Fällen vereinigt werden. Bei stärkererQuetschung sind die gequetschten Ränder abzutragen, die Quetsch-wunde in eine reine Schnittwunde zu verwandeln, was bei der vorzüg-lichen Ernährung der Haut und ihrer Dehnsamkeit hier ganz beson-ders leicht ausführbar ist. Bei Gangrän darf man aus diesem Grundeungenirt alles verdächtige Gewebe abschneiden. Eigentliche plastischeOperationen sind nur ganz ausnahmsweise indicirt. Bezüglich des Ver-bandes ist hervorzuheben, dass das Sero tum sehr empfindlich ist fürreizende Antiseptica und daher entweder ein Dauerverband oder bei gutgeschlossener Naht ein Wismuthverband am zweckmässigsten ist. Vorstarken Sublimat- und Carboilösungen soll man sich in Acht nehmen.
Zweiter Abschnitt.
Circulationsstörungen des Hodensacks.
Kapitel III.
Oedema scroti.
§. 16. Oedematöse Anschwellungen des Scrotum kommen amhäufigsten vor im Zusammenhang mit allgemeinem Hydrops, bei Herz-fehlern und Nierenerkrankungen. Bei der Lockerheit des subcutanenZellgewebes erreicht die Anschwellung oft colossale Grösse, und wenngleichzeitig Verunreinigung stattfindet, namentlich nach Macerationdurch Urin oder andere Flüssigkeiten, so kommt es nicht selten zubrandigem Absterben. Die hochgradigen Ergüsse erklären es auch,warum bei Ekzembildung (nach Stöhr), sowie durch capillare Drai-nage ganz bedeutende Entleerung von hydropischen Ergüssen aus demScrotum erzielt werden kann.
§. 17. Oedeme durch blosse Circulationsstörung kommen auchvor bei Infiltration des Samenstrangs, Blutextravasaten (nach Eng-lisch), dann nach Varicoceleoperation in Folge von Bildung quererNarben, ferner nach Curling bei Drüsenschwellungen. Eine fernereArt von nicht entzündlichem Oedem beruht auf dem Platzen von Hydro-celen. Bei Kindern findet man ödematöse Schwellungen des Scrotum,analog wie die Oedeme um die Knöchel herum bei hochgradiger Blut-armuth. Künstlich können Oedeme durch Anlegung von Bruchbändernerzeugt werden. Alle die genannten Oedemformen kommen häufigeinseitig vor und verschwinden mit Behebung der Ursache.