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Die Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane / Theodor Kocher
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301
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Beziehung des Tuberkels zu den Samencanälchen (Langhans). 301

in den Arbeiten von Rindfleisch und Buhl geltend. Der, wie mirscheint, gewichtigste Einwand gegen die Virchowsche Anschauungkann gerade von dem Hodentuberkel genommen werden. Virchowverlegte den Sitz desselben strenge in das bindegewebige Stroma; demgegenüber hatte schon Curling in der ersten Auflage seines Werkesüber die Hodenerkrankungen die Ansicht ausgesprochen, dass derTuberkel sich in den Samencanälchen entwickle, aber ohne Beachtungzu finden. Es war daher von grosser principieller Bedeutung, alsMalassez (Arch. de phys. 1876, 56) und Gaule (Virchows Archiv69, 213) unabhängig von einander nachwiesen, dass der Hodentuberkelan die Samencanälchen sich anschliesse und die intracanaliculärenProcesse eine sehr wichtige Rolle dabei spielen. Der Gegensatz, inwelchen dadurch die Lehre von der Genese des Tuberkels zu den bisdahin gang und gäben Anschauungen trat, erhellt so recht aus denallgemeinen Betrachtungen Gaules. Denn Gaule glaubte geradewegen dieses Gegensatzes den Hodentuberkel nicht als Tuberkel,sondern als perispermatophoritische Entzündung bezeichnen zu müssen.Seitdem ist der gleiche Machweis auch für die Tuberkel anderer Drüsengeliefert, so für die der Nieren, Leber, Lunge (besonders Arnold,Virchows Archiv 82, 83, 88, und die neueste Arbeit Baumgartens).Mit dem Hodentuberkel speciell haben sich seitdem Lübimow(Virchows Archiv 75, 80) und Waldstein (ebenda 85) beschäftigt.Nachdem ich selbst schon vor Gaule und Malassez in einem Fallevon acuter miliarer Tuberkulose den Sitz der Knötchen an den Samen-canälchen erkannt und Herrn Collegen Klebs demonstrirt hatte(s. dessen Pathol. Anatomie II, 1028), kann ich jetzt in umfassenderWeise auch für die gewöhnliche chronische Tuberkulose die Angabender obigen Forscher wesentlich bestätigen.

§. 735. Das intracanaliculäre Bindegewebe, in welches auchRindfleisch den Hauptsitz des Tuberkels verlegt, ist in erster Linienicht betheiligt, und man wird daher auch jede engere Beziehung desTuberkels zu den hier vorhandenen röhrenförmigen Lymphgefässen,sowie zu Arterien und Venen ausschliessen dürfen.

Die erste Veränderung betrifft Wand und Inhalt der Samen-canälchen; das Stroma betheiligt sich erst später, namentlich bei demZusammenfliessen der Tuberkel, in erheblicherer Weise.

Mag es sich nun um acute und chronische Tuberkulosehandeln, jedenfalls ist immer schon gleich im Anfang einintracanaliculärer Process vorhanden. Das sah ich gerade beider acuten Miliartuberkulose auf das deutlichste ausgesprochen. Indem einzigen Falle, den ich beobachtete, sassen die wenigen Tuberkelin der Nähe des Rete, dicht an dasselbe angrenzend. In ihrer Um-gebung enthalten die Canälchen, sowohl die des Rete wie die gewun-denen, schon Zellen, die als Vorläufer des Tuberkels angesehen werden

Es treten dabei zuerst rein alveoläre Processe auf, emigrirte farblose Blutkörper undgrössere Elemente, den desquamirten Lungenepithelien von Buhl und andernAutoren gleich, aber von v. I n s auch als farblose Blutkörper aufgefasst, und spätersind die Alveolen vollständig frei, alle diese Elemente finden sich nun im Stromain Form von kleinen Herden. Ein alveolärer Process wandelt sich also hier durch jUeberwanderung der Zellen in einen rein interstitiellen um.