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Die Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane / Theodor Kocher
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593
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Blutige Reposition des Leistenhodens.

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Bei 2 dieser Patienten, die sich später wieder vorstellten, war derHoden noch stärker atrophisch geworden und hatte sich bis an denScrotaleingang zurück emporgezogen. Allerdings hatten die Patientenkeine Beschwerden mehr.

Wir möchten demgemäss für den Fall, dass bei gesunden Hodender andern Seite und bei bereits eingetretener Atrophie des Leisten-hodens bei Erwachsenen operirt wird, an der früher formulirten Indi-cation festhalten, dass die Castration indicirt ist, sobald Beschwerdenund Empfindlichkeit sich einstellen. Die blutige Reposition da-gegen muss für Fälle reservirt bleiben, wo bei jüngern Individuennoch keine vorgeschrittene Atrophie besteht, wo auch weder subjectiveSymptome fehlen oder nur kurz dauernde Beschwerden vorhandensind, d. h. die Operation zur Zeit der Wahl ausgeführt werden kann.

Wir haben in 2 Fällen die blutige Reposition vorgenommen imPubertätsalter, ohne dass Beschwerden bestanden hätten. In beidenFällen (in einem derselben wurde auf beiden Seiten operirt) wurdennormale Verhältnisse der Lage hergestellt und in einem ist bereitsein deutliches Wachsthum des Hodens zu constatiren.

§. 1178. Was die Methode der Operation anbelangt, so hatdarüber Schüller ganz besonders eingehende Vorschriften gegeben.Das Wichtigste in denselben scheint uns die Angabe zu sein, dassman die Tunica vaginalis communis quer durchzuschneiden habe, um denHoden hinunterziehen zu können. Davon überzeugt man sich beijeder Operation leicht. Der eine unserer Fälle, bei dem wir dieOperation machten, betraf einen 22jährigen Burschen, welcher seit10 Monaten Beschwerden hatte. Hier liess sich nach Trennung dergemeinsamen Scheidenhaut die Reposition des Hodens ins Scrotummit Fixation in demselben durch einige Catgutnähte leicht bewerk-stelligen. Auch bei einem 2. Fall, welcher wegen Schmerzen in Be-handlung kam, nachdem er ein halbes Jahr vorher eine Perityphlitisüberstanden hatte, ergab sich, dass die Tunica vaginalis hauptsächlichden Hoden festhielt. Dieselbe war oben mit dem Sack eines Netz-bruches verwachsen. Nach querer Durchschneidung der Tunica undExcision des Netzbruches liess sich der Hoden mit Leichtigkeit insScrotum verlagern. Die Scheidenhaut deckte einen abgeschlossenenFortsatz bis in den obern Theil des Scrotum und in den Leistencanalhinein. Der 3. Fall bei einem 24jährigen jungen Mann kam unszu, 8 Tage nachdem eine eingeklemmte Hernie durch Taxis reponirtworden war. Der Hoden lag am hintern Leistenring und liess sichdurch Finger und Bauchpresse leicht hervorpressen. Auch ging eineVerlängerung der Scheidenhauthöhle als Hydrocele communicans bisan den Eingang des Scrotum. Nach Spaltung der Peritonealausstülpungliess sich unter querer Trennung der Tunica vaginalis communis ober-halb des Hodens der Samenstrang sofort in die Länge ziehen, derHoden leicht ins Scrotum hinunterbringen, und es wurde, wie auchSchüller vorschlägt, nicht nur der Hoden zunächst mit Catgutnähtenfixirt, sondern nach Excision des Processus vaginalis die Leistenöffnungdurch Nähte vereinigt.

Wenn der Samenstrang von einem Processus vaginalis peritoneibekleidet ist, so ist es sehr wichtig, auch das Peritoneum rings zuKocher, Krankheiten des Hodens. 38