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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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Ankunft Besançon, seinem Geburtsorte, wurde ich dem Platz-Comman-

in

Besançon, daiiten, General Midier, vorgeführt, der mir sehr höflich be-beîden willigte, die auf der dasigen Citadelle sitzenden bernischenbernischen Kriegsgefangenen zu besuchen, unter denen ich Freunde, Ver-

Kriegs* ^

gefangenen. wandte und Bekannte zählte. Hier gab es, wie man leichtbegreifen wird, eine Menge Fragen nach der Heimath, nachden betreffenden Angehörigen und überhaupt nach der Lageder Dinge in Bern. Nachdem ich unter ihnen etwas Geldvorgeschossen, dann mit Guillemet das Mittagessen im Gast-hof eingenommen, wo mich die, ebenfalls kriegsgefangenen,Oberstlieutenants Wurstemberger von Wittigkofen und Mayvon Tliierachern besuchten, setzte mein Begleiter mit mirdie Reise fort; ich erinnere mich aber nicht, dass uns vondort bis Paris etwas bemerkenswerthes aufgestossen wäre. InParis stiegen wir, Guillemet und ich, am Hôtel dEspagne,Rue Richelieu, ab.

Ankunft Nachdem wir uns erfrischt hatten, führte er mich vor

Paris. das Direktorium, übergab seine Depesche, und nach verschie-denen, ziemlich oberflächlich an mich gerichteten Fragen überdie Schweiz wurde ich entlassen, ohne dass ein Wort überdie Ursache meiner Reise dahin ausgesprochen worden wäre.In dem Vorsaale traf ich auf einen der Direktoren, Laréveillère-Lepaux. Der Mann, dessen Aeusseres nichts Anziehendes hatte,als Philanthrop bekannt und mit Leib und Seele im Geistedes Tages befangen, wünschte mir Glück zur Befreiung derSchweiz aus den Banden der Oligarchie ! ? Dies schien mirdoch etwas zu viel, und ich antwortete mit anscheinenderVerwunderung: «Daran hätte ich wahrlich noch nicht ge-dacht.» Darauf kehrte ich mit Guillemet nach unserem Ab-steigsquartiere zurück. Den folgenden Morgen führte michRamei. dieser zu dem Finanzminister, Ramel, der uns alsogleichempfieng und meinen Begleiter entliess. Auf den ersten Blicknahm ich unter seinem Tische die obgedachte durch uns her-gebrachte, jene Schuldbriefe enthaltende Kiste wahr. DerMinister, ein sehr höflicher Mann, in den besten Jahren, der