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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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eben so bange darüber wurde, als wenn ich von ihnen miss-kannt worden wäre. Denn leicht konnte dadurch bei der ent-gegengesetzten Partei Misstrauen und Neid erweckt werden.

Die Verwaltungskammer überreichte mir mit einem Dank-schreiben eine goldene Kette mit einer Denkmünze (BeilageNr. 45) und liess auch meiner Gemahlin, für meine Söhne,zwei goldene Ketten einhändigen ; und auch die Munizipalitätder Stadt Bern bezeigte mir ihre Zufriedenheit.

Die Besuche aller Stände und die verbindlichen Aus-drücke, die gegen mich in Bern an den Tag gelegt wurden,gaben meinen Absichten und Bestrebungen für Berns Wohlneue Schwungkraft. Indessen flössten sie mir auch Sorg-losigkeit ein und zu viel Sicherheit, allen GegeneindrückenTrotz bieten zu dürfen. Denn meiner redlichen Absichtenbewusst, baute ich auf das Wohlwollen meiner Mitbürger,das ich für unfähig hielt, je zu schwanken. So setzte ichmich mit zu grossem Leichtsinne über spätere Urtheile weg,eine Verirrung, die mir in der Folge sehr trübe Stundenverursachte.

Ueber die gleich beim Einrücken der Franzosen inBern bei Seite geschafften Geldsummen war von den mitder Sache Vertrauten nicht hinlänglich Stillschweigen beob-achtet worden. JSclion in Luzern war gegen Bay und michvon versteckten Geldern geflüstert worden; doch von Seiteder Behörden selbst verlautete noch nichts darüber. Tn derVerwaltungskammer selbst aber war ein Mitglied gegen dieheimlichen Nachfragen von Luzern her laut geworden. DerDirektor Oberlin hatte bestimmte Anzeige erhalten, dass einederartige Summe von Lv. 240,000 tournois bei dem HerrnBanquier Schmidt vorhanden sei. Das Direktorium fordertemir nun diese Summe ab und ich musste diesen schönenSparpfennig äbzugeben verheissen, um nicht wieder zu ver-derben, was bereits dadurch gewonnen war, dass mir, wieoben bemerkt worden, Schuldinstrumente von beträchtlichemWerthe in Händen belassen wurden.