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meublirt, einräumte. Bei ihr, so wie bei der bekannten Frauvon Montesson (Wittwe des vorletzten Herzogs von Orleans),die das gleiche Gebäude bewohnte und auserlesene Gesell-schaft des alten und neuen Hofes um sich versammelte, fandich freundliche Aufnahme, die mir grosses Interesse bot.
Früher war eine Anzeige gegen mehrere in Genf undFrankreich sich aufhaltende Berner hei der französischen Re-gierung eingelangt. Ich hatte aber Mittel gefunden, die Folgendavon, ohne merklichen Aufwand an Zeit und Mühe, zu be-seitigen.
Noch glaube ich erwähnenswerth, welche Meinung Bona-ltarte von unserem verehrungswürdigen Schultheiss von Steigerhegte, und welch’ Andenken er ihm widmete. Der hoch-verehrte Greis war den 3. Dezember 1799 in Augsburg ge-storben. Bei der ersten Audienz, die auf die eingetrolfeneNachricht von seinem Tode erfolgte, sagte Bonaparte laut zumir : «L’homme distingué que la Suisse vient de perdre, doit«vous laisser des regrets sensibles. Si les Bourbons avaient«su inspirer le même intérêt, ils n’en seraient point là.»Diese Aeusserung bildet einen grellen Gegensatz mit jenerdes gewesenen Direktors, Treilhard, der mir nach der Schlachtvon Pfullendorf, als sich das glücklicher Weise nichtige Ge-rücht der Gefangennelnnung des Schultheissen von Steigerverbreitete, gesagt hatte: «Si votre avoyer est pris, il faudra«le faire fusiller.»
Die Consuln, jetzt gesinnt der Ausführung ihrer neuenAbsichten mit der Schweiz die Bahn zu brechen, sandtenHrn. Reinhard, der seit dem 30. Prairéal 7 bis zum 18 Bru-maire Minister des Aeussern gewesen war, als ihren Bevoll-mächtigten dahin. Dieser, ein gemässigter Mann, von etwassteifem Benehmen, mit einem Worte mehr deutscher als fran-zösischer Natur, hatte vorher in Paris mehrere Unterredungenmit mir gepflogen und schien geneigt, sich auf wohlwollendeWeise für Bern und die Schweiz im allgemeinen zu be-nehmen. Seine Instruktionen überdies waren von der Art,
Wie
Bonaparte
von
Steiger
dachte.
RoinhardGesandterin derSchweiz.