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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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der französischen Regierung zu vernehmen und zugleichseinerseits die Wünsche der Schweiz vorzntragen, war übri-gens der ganz richtigen Meinung, dass für den Augenblickdie Zurückherufung Stapfers den Gang der Angelegenheit eherzu verwickeln, als zu fördern geeignet wäre.

Ansichten Der Umstand dieser wichtigen Reise drängt mich gewisser-damaiige m as seii dazu, in Ansehung derselben meine eigenen damaligenpont. Lage. Betrachtungen mitzutheilen. Man hätte, scheint mir, überden damals zu lebhaften, übrigens aber ganz natürlichen undgerechten Wünschen nie das Verhältniss der Wirklichkeitaus den Augen verlieren und bedenken sollen , dass allzuvoreilige Schritte für die Herstellung einer unbedingten Un-abhängigkeit der Schweiz im günstigsten Falle wenigstensüberflüssig sein mussten, da ein solcher Zweck mit dendamaligen leicht zu berechnenden Plänen der französischenRegierung durchaus nicht im Einklänge stand. Freilichhatte Bonaparte seit langem dem alten Systeme unseresFöderalismus nicht ungeneigt geschienen ; aber ich wussteauch bestimmt, und man wusste es durch mich, dass erpersönlich zu einer rein patrizischen Regierung kein Zutrauenhatte, indem er es für unmöglich hielt, sich die Mehrzahleiner solchen anhängig zu machen.

MisstrauenFrankreichsgegen die neueRegierung.

Und wirklich waren auch weder die Schritte noch dieAeusserungen Redings in Paris den An- und Absichten desHerrschers angemessen, und so musste diese, übrigens ritter-liche, Unterhandlung gegen die neu aufgestellten schweizeri-schen Behörden Misstrauen und Abneigung erwecken. Diesbewährte sich auch dadurch, dass die französischen Behördenin der Schweiz sich nach und nach gegen die Patrizier zu-rückhaltender bewiesen und nach Massgahe, als sie sich vondiesen zurückzogen, den damals Unzufriedenen näherten.Diesen Umstand benutzten diese, während jene, sich auf ihrereinen Gesinnungen stützend, jede Andeutung von Gefahrals nichtig von sich wiesen.