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Forderungen
der
Föderalisten.
Panik
in
Lausanne.
General Rapp.Proclamationdes 1. Consuls.
Den 3. October wurde Andermatt, welcher der helveti-schen Regierung zu Hülfe gezogen war und sich hei Murten auf-gestellt hatte, aus seiner dortigen Stellung so vertrieben, dassvon Seite dieser an keinen Widerstand mehr zu denken war.Die Flüchtlinge ihres Heeres füllten die Strassen von Lausanne,und den 5. October Morgens 4 Uhr versammelte sich derSenat, in dessen Versammlung auch ich, dem dazu gebotenwar, mich befand. — Die Rapporte wurden angehört undwaren von solcher Natur, dass der Senat beschloss, ausein-ander zu gehen. Die Vollziehungsbehörde wollte sich nachdem damals französischen Genf, und Verninac sollte sich mitmir nach Neuenburg, damals noch preussisch, begeben. —Im Augenblicke der Stimmensammlung über diese Beschlüssetrat Verninac selbst mit der Anzeige vor die Versammlung :«Dass der General Rapp, als Abgeordneter des ersten Con-«suls angekommen sei. Es wären daher alle Beschlussnahmen«einzustellen und dessen Aufträge anzuhören.»
Da ich den General von Paris her sehr gut kannte, soverfügte ich mich sogleich zu ihm. Er hatte soeben gehört,die Conföderirten seien im Anzuge, und von seinen Fensternsah er das Getümmel der in die Stadt gedrungenen Flücht-linge. Ohne sich mit mir einzulassen, sagte er mir: «Allonsvoir le Gouvernement.» Vor dasselbe getreten, übergab erdem noch anwesenden Botschafter die bekannte Proclamationdes ersten Consuls, die abgelesen wurde und die Versamm-lung mit Erstaunen erfüllte. Alle Gefühle waren, doch aufverschiedene Art, ergriffen ; wenn bei Einigen sich dieser ge-waltsamen Einmischung wegen Entrüstung zeigte, so wurdedadurch hinwieder bei Andern die Hoffnung erweckt, dassdie Schweiz sich wieder finden werde. Rapp erklärte nundrohend, «dass er, im Fall die Verbündeten weiter vorrücken«würden, Befehl habe, die auf den Grenzen bereits aufgestell-«ten Truppen einmarschieren zu lassen.» Darauf begab ichmich mit Rapp und Verninac nach dem Gasthofe zum Löwen(dem Absteigquartiere des ersteren), denn mir war zuvörderst