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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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Versuch dieser Art musste hei dem damals so lebhaften Spieleder Leidenschaften und dem damit verbundenen Mangel anRückhaltung die Folge haben, dass die entgegengesetztePartei zugleich das Geheimniss erfahren, daraus Anstoss ge-nommen und auf alle Weise das Gewebe meiner Pläne zuzerreissen gesucht hätte. Aus diesem Umstande lassen sichhiermit jene Eindrücke und Urtheile der grösseren Mengeleicht erklären. Dass aber so mancher wackere, auf einemhöheren Standpunkte stehende Berner, der meine Gesin-nungen überhaupt von Jugend auf, meine politischen Ansichtenaber so gut als die seinigen kannte, und dem überdies be-kannt sein musste, welche Anstrengungen ich gemacht, umder guten Sache zu dienen und den möglichsten Theil desEigenthums meiner Vaterstadt zu retten, dass auch solche,sage ich, sich bei jenem Anlasse gegen mich lau bewiesenund von mir zurückgezogen, ja sogar nur mit Schüchternheitvon mir zu reden sich getrauten, dies ging über meine da-maligen Begriffe, und noch jetzt weiss ich es nicht andersals durch die Voraussetzung zu erklären, dass falsche, imGewühle politischer Bewegungen entstandene Eindrücke dieKraft allgemeiner Ansteckung in sich haben. Mir aber wares, bei reinem Gewissen, das mir immer Kraft und Stärkeverlieh, nicht meiner selbst wegen am drückendsten, michjenen Eindrücken preisgegeben und im Laufe von vier Jah-ren bald belobt,, bald wieder durch den Sumpf gezogen zusehen. Am empfindlichsten fiel mir, dass auch meine FamilieRückwirkungen davon zu erleiden hatte, die denn freilichin Verbindung mit jenen mir einen Zustand von Leiden be-reiteten, den ich mit keinem anderen zu vergleichen weiss.

Bis im Hornung 1803 lebte ich mit meiner würdigenund unter allen ihr durch meine Verhältnisse erwachsendenLeiden mich nie misskennenden Gemahlin auf meinem Gute.Wenige Berner besuchten mich, und auch diese zogen sicham Ende scheu vor mir zurück. Doch nun gefiel es endlichder Vorsehung, mich in eine neue, mein letztes drückendes