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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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93
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Schlüsse zurückbringen denn mir schien, dass ich nurmit dem Willen der Standes-Commission und, mit Instructio-nen von ihr versehen, dahin reisen konnte und sollte. Den2. Jänner 1803 nachdem ihrerseits allen meinen Versuchen,mich ihr zu nähern, ausweichend begegnet worden, von miraber für die Umstände beträchtliche Auslagen auf Begehrenihrer bedeutendsten Mitglieder gemacht worden waren, erliessich an sie ein Schreiben nebst einem Berichte*). IhrSekretär, Herr Alexander Fischer, ertheilte mir eine Antwortdarauf (Beilage Nr. 84), die mir keine Aussicht hot, dassmein gerechter Wunsch erfüllt werden würde.

Da nun übrigens meine von der helvetischen Regierung ungerecht-erhaltene Entlassung allen meinen Verbindungen mit ihr ein M tsSuenEnde gemacht hatte, so schien auch andererseits das alles seiner

° Mitbürger.

Ziel und Mass überschreitende Misstrauen der Mehrzahlmeiner Mitbürger gegen mich meinem öffentlichen Lehen einfür allemal ein Ziel gesetzt zu haben. Bei diesem Anlassesei es mir daher erlaubt, meine unbefangene Ansicht über diesesgezwungene Verhältniss, worüber ich schon oben eine kurzeBetrachtung einfliessen liess, noch bestimmter auszusprechen.

Die Thatsachen, dass man einerseits Kenntniss vonGeldern hatte, die, nicht mir gehörig, gleichwohl von mir inVerwahrung behalten wurden, und mich andererseits dieFarbe des Tages, obgleich nur nach Bedürfniss für meinegemeinnützigen Absichten, tragen und mit Franzosen undHelvetiern Umgang pflegen sah, konnten bei Unwissendenund Beschränkten um so eher schiefe, ja falsche Urtheilegegen mich erzeugen, als über den wahren Verhalt der Sache,in Betreff der Gelder sowohl, als über meine eigentlichenAbsichten, einem grösseren Kreise der mir Gleichgesinntenkeine Erläuterungen gegeben werden konnten. Denn jeder

*) Dieser Bericht und Rapport sollte einestheils das mir lästige Geld- undRechnungswesen beseitigen und anderseits meinen bisherigen politischen Gang auf-decken, um das Publikum zu einer richtigen Würdigung gegen mich zu bewegen.

(Derselbe befindet sich in Gestalt einer Copie auf der Stadtbibliothek von Bernund zwar unter den Akten und Auszügen des Herrn Staatssehreiber M. v. Stürlersei. Sie sind einregistrirt mit Mss. Hist. Helv. III. 77. Anmerkung des Herausgebers.)