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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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Obrists Wurstemberger von Wittigkofen erfüllt worden, unddie Heerde gerade auf dem Wege, als ich in Paris mich be-fand. Nun kam mir glücklicher Weise gäliling der Gedankezu Sinne, aus dieser Heerde ein Geschenk der Stadt Bern anMadame Bonaparte zu machen. Die Wendung gelang unddas Geschenk wurde sehr wohl aufgenommen. Ich wurdeeingeladen, dasselbe in St. Cloud persönlich darzubringen.Daselbst wurde ich sehr wohlwollend empfangen und auf denfolgenden Tag zum Frühstück nach Malmaison entboten, umüber die geeignete Stelle und den Bau einer Sennerei meinenRath zu ertheilen. Ich begab mich dahin und traf den erstenConsul selbst an, der nach der gütigsten Aufnahme mir sagte :«Vous avez voulu me voir. Ney vous aura dit: que je ne«puis pas recevoir des députés cantonaux. Aujourdhui il«se présente une raison qui excuse bien une exception, mais«demain etc., que me voulez-vous?» Nun überreichte ich ihmeine bereits verfasste Denkschrift, die er mit der Aeusserungzurückgab : «Remettez-la à Talleyrand, quil men fasse un«rapport». Glücklich, wie man denken kann, überbrachte ichsie, unter Vermeidung meines Auftrages, dem Minister. Ererwiderte sogleich: «Cest bien! très bien!» und ermächtigtemich, mit dem ersten Secretair des Ministeriums, Hauterive,mich über die Abfassung des Berichts an den Consul zu be-sprechen ; eine Vergünstigung, die ich nicht unbenutzt liess.Allein nachher erhielt ich auf mehrere Anfragen hei demMinister immer die Antwort: «On na pas eu le temps; le«recommencement de la guerre occupe; on na pas voulu«mécouter». Endlich wandte ich mich nochmals an Ney,und einige Tage darauf ward ich zu Madame Bonaparte ge-rufen, die mir unter verbindlicher Danksagung zu HändenBerns als Geschenk einen Brillanten in einer Stecknadel an-heftete. Sogleich, nachdem ich von ihr Urlaub genommen,ward ich hei dem ersten Consul vorgelassen, wo sich unterandern Personen auch Ney und Talleyrand befanden. Dererste Consul sagte mir wörtlich : «Jai été sensible à la politesse