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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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Diese, liebst meinen seither fortgesetzten Hausbüchern, wirdeinst, bei meinem Absterben, genügend beweisen, was Lieblosig-keit oder falsche Ansichten und Eindrücke noch in Zweifelzu ziehen versucht sein möchten. Ich darf mit Recht solcheMissdeuter fragen: Wer von euch hat gleiches, wer hätte,besonders unter gleichen Umständen, Gleiches geleistet: werhätte, wie ich, in jedem Augenblick, jeder an ihn gestelltenFrage Rede und Antwort ertheilt und ertheilen können?

Ja, ich kann im Gegentheile mit allem Grunde behaupten,dass die Lage, in der ich mich aus Eifer für das Wohl meinesVaterlandes verfangen liess, eher einen nachtheiligen alsgünstigen Einfluss auf den Stand meines Vermögens geäussert.In Folge der Liquidation meiner Weinhandlung hatte ich be-trächtliche Baarsehaft an mich gebracht, und persönlicheVerhältnisse und Verbindungen, sowie vorherrschende Neig-ung, hätten mich in jenem Zeitpunkte, wo der Ankauf vonöffentlichen Fonds so viele und ausgezeichnete Wechselfällezu ausserordentlichem Gewinne hot, bewogen, an solchenUnternehmungen Theil zu nehmen, mit welchen sich so vielçandere Personen befasst hatten, die nicht, wie ich, durchpersönliche Gegenwart auf dem Hauptmarkte jenes Verkehrsdazu den günstigsten Vorschuh fanden. Aber solchen mirzufällig gebotenen Vortheil zum Zwecke der Vermehrungmeines Vermögens zu benutzen, hinderte mich eben meineStellung, indem mir vor allem daran gelegen sein musste,durch meine frühere Bilanz, im Vergleich meiner jeweiligen,die Rechtlichkeit meines Benehmens und die Redlichkeitmeines Charakters zu beweisen. Noch musste mich dannein tieferer und psychologischer Grund von dergleichen Unter-nehmungen zurückhalten, mit denen immer ein Spiel verbundenwar, dessen Ergebniss nicht zum voraus berechnet werdenkonnte. Mit jenem Spiele also konnte nach den damaligenAussichten Glück und Unglück sich einstellen. Wäre letztereserfolgt, und ich hätte bedeutendes verloren, so war ich Menschwie jeder andere und demnach grossen Versuchungen aus^