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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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In unserem Kantone wurde zuerst in der Schweiz die Media-tionsakte in allen ihren Theilen aufgelöst, und ich wurdezum Mitgliede der Standescommission gewählt, deren Auf- Mitglied dergahe war, den Uehergang von der Mediationsverfassung zu c^mTsîôn.derjenigen von Schult heiss, Klein und Grossen Räthen derStadt und Republik Bern einzuleiten und zu bewerkstelligen.

In Folge der geleisteten Lösung dieser Aufgabe wurdediese wichtige Behörde seihst aufgelöst. Nun war ich nochMitglied des Wahlausschusses zur Ergänzung der Zweihundertim Jahre 1814. In den Kleinen Rath wurde ich aber nichtwieder gewählt, weil nach Vorschrift der alten und wdedereingeführten Verfassung nur ein Mitglied aus jedem Geschlechtein diese Regierungsbehörde eintreten durfte und Hr. Seckel-meister von Jenner besser als ich zu dieser Stelle geeignetwar. *)

Von nun an lebte ich wieder auf dem Lande. Im Mai oberamtmann1815 verkaufte ich mein Gut Brunnadern der erwähnten ^Xlkcn.Grossfürstin, blieb aber demungeachtet, ihrem eigenen Be-gehren zufolge, daseihst wohnhaft bis im Frühjahre 1815.

In diesem Zeitpunkte aber ward mir die Stelle eines Ober-amtmanns zu Interlaken aufgetragen.

Inzwischen waren in Folge des berühmten Wienercongresses Sendung

in den Jura.

und der damit verbundenen Erklärung der hohen Mächte inBezug auf die Angelegenheiten der Schweiz dem Kanton Berndie Hauptlandestheile des ehemaligen Bisthums Basel, als Ent-schädigung für die von ihm durch die Revolution an Landund anderem Vermögen erlittenen Verluste, zugesprochenworden. Nun erhielt ich den Auftrag, mich in jeneLandesgegend zu begehen, daselbst über den politischenund wirtlischaftlichen Zustand derselben Beobachtungen zumachen, Begriffe and Ansichten aufzufassen und einen um-fassenden Bericht darüber zu erstatten. Bald darauf, imAugust, wurde ich entschieden von Interlaken abberufen, das

*) Wohl auch wegen der früheren politischen Thätigkeit des Verfassersunter der Helvetik und der Mediation, da er in den Augen der Ultras noch immerals halber Jakobiner galt.