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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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ausländischen Schuldtitel nach Interlaken abgeführt und dorten in dieSchlossgefangenschaft in Verwahrung gelegt, deren Schlüssel dem dama-ligen Herrn Landvogt von Honstetten zugestellt wurden.

Ueber den Betrag der Baarschaft konnte mit Zuverlässigkeit nichtsausgemittelt werden, blos über den Inhalt des eisernen Stockes glaubtMn. H. von Jenner sich noch erinnern zu können, dass derselbe aus100,000 Goldstücken, tlieils alter Mirletons, theils Dukaten bestandenhabe. In den 18 Fässern seien gangbare Silbersorten und nur in einemderselben noch etwas an Gold, nämlich 3000 Louisdor verpackt gewesen.

Die ausländischen Capitalien, deren Titel, wie bemerkt, ebenfallsnach Interlaken geführt wurden, betrugen nach einem auf 5. März 1798gestellten Etat einen Gesammt-Capitalwerth von L. 4,009,869. 13. 01.

Dieses in das Oberland geflüchtete Staatsvermögen wurde einigeTage, nach dem Einrücken der Franzosen in die Hauptstadt, durch denberüchtigten Junod an den General Brune verrathen. Durch die Vor-stellungen des Herrn von Jenner, der auf das Ansuchen mehrerer ehema-ligen Standesglieder und der provisorischen Regierung, einstweilen dieFunktionen eines Oberst-Kriegs-Commissarius fortsetzte, und von dahermit Brune im Verkehr stund, liess sich dieser letztere, welchem der Be-lang der nach dem Oberlande geführten Gelder nicht bekannt war, bereden,gegen das Versprechen eines Geschenkes von Lv. 200,000 in die Verle-gung dieser Gelder nach dem Auslande einzuwilligen, mit dem Vorbehaltejedoch, dass solches so geheim als möglich und unter dem Vorwände Ge-treide für die Franzosen anzukaufen, geschehen müsse. Auch begehrteer, dass man die von den französischen Truppen besetzten Gegenden ver-meiden solle, damit er selbst nicht compromittirt werde.

Mit einem Pass von Brune versehen, reiseten nun HH. Zeerlederund Herr Wurstemberger vom Interlakenhaus, nachheriger Inselverwalter,welcher schon dem ersten Transport beigewohnt hatte, nach Interlakenab, schifteten dort, nicht ohne Gefahr für ihre Personen das ihnen anver-traute Staatseigenthum, das Geld sammt den Titeln ein, kamen damitglücklich in Thun an, und wollten nun diese zu rettenden wichtigen Ob-jekte auf mehreren Wagen über Diessbach durch das damals von denFranzosen noch nicht besetzte Emmenthal nach Luzern und weiters inSicherheit bringen.

Wegen der allgemeinen Gährung unter den Landleuten musste aberdieses Projekt unterbleiben. Das Geld blieb in Thun, in einem Schopfder Ziegelhütte und im Schlosskeller versteckt, zurück und die Titelwurden auf Bern gebracht.

Mittlerweilen hatte die Sache schon allzuviel Aufsehen erregt ; dieAnzeigen hatten sich vermehrt und Brune erklärte nun dem Hg. H. von