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Madrid an den Prinzregenten von Portugal knüpften undnoch im Jahre 1801 einen Anschlag des Konsuls Bona-parte auf des Landes Selbständigkeit vereitelt hatten.
Wie überhaupt Napoleon die Schwächen und FehlerDerjenigen, die er sich als seine Werkzeuge ausersehen,auszunützen verstand, 1 ) so trieb er mit einer meisterhaftenVerstellungskunst sein Spiel mit dem armseligen Frie-densfürsten, den er doch von Grund aus verachtete, wenn
M Vergl. die Memoires du Prince de Talleyrand (1891), woderselbe über seinen Herrn I, 325 sicli mit nackten Worten alsovernehmen lässt:
„Napoleon sagte mir einst zu Finkenstein (dem Hauptquar-tier im polnischen Feldzuge von 1807), als er gerade bei guterLaune war: Wenn es darauf ankommt, so kann ich auch dasLöwenfell oblegen und in den Fuchspelz kriechen. Er hinterginggern, er hätte hintergehen mögen wegen des blossen Vergnügensdaran, und auf Kosten seiner Politik hätte ihm sein Instinkt eineArt von Bedürfniss darnach geschaffen.“
Einen zutreffenderen Beleg als diesen hätte Bernhardi wohlkaum finden können, indem er in „Napoleons I. Politik in Spa-nien“ über den Kaiser folgendes Urtheil fällt (Sybels hist. Zeit-schrift, Bd. 40, S. 471):
„Zu den Eigenthümlichkeiten Napoleons gehörte, man istversucht zu sagen vor allem, ein Mangel an Sinn für Wahrheit,wie er in der Weise wohl nur selten, wenn jemals vorgekommenist. Nicht allein dass seine Bulletins, die auf den Eindruck be-rechnet waren, den sie im Augenblick machen sollten, weit ver-messener von der Wahrheit abweichen, ja ihr widersprechen, alsman sonst irgend in ähnlichen Berichten je gewagt hat zu tlnm:alles, was er der Nachwelt als Geschichte hinterlassen wollte,alles, was er in St. Helena diktirt und erzählt hat, das alles hatdie ausdrückliche Bestimmung, zu täuschen und ein künstlichesGew'ebe dreister Erfindungen an die Stelle der wahren Geschichtezu setzen,“ eine Tliatsache, die auch in dem Falle unanfechtbarbleibt, wenn der preussische Standpunkt des oben zitirten Kri-tikers in Betracht gezogen wird. Dass übrigens die von Napoleongegenüber Spanien beobachtete Politik eine von langer Handvorbereitete war, zeigt schon die Aeusserung des Konsuls Bona-parte, „es scheine, dass die katholischen Majestäten des Thronesmüde seien und sich darnach sehnten, das Schicksal der übrigenBourbonen zu tlieilen“ (Ebenda, S. 48G).