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ihn gleich Pius VII. für seinen kirchlichen Eifer mit demEhrentitel einer „Säule des Glaubens“ bedacht hatte, abernicht weniger mit der Person des charakterschwachenKönigs von Spanien, Karls IV., und dem gesammtenHofe von Madrid.
Schon im September des Jahres 1807 hatte er vonFontainebleau aus dem mit einem spanischen Grossenverschwägerten Grossmarschall Duroc die angebliche Ab-sicht kundgegeben, sich in eine Theilung von Portugalmit Spanien einzulassen. „Was das Königreich Portugalbetrifft,“ schrieb er listig am 25. dieses Monats, „so macheich durchaus keine Schwierigkeiten, dem König vonSpanien eine Souverainetät über Portugal zu geben undselbst davon einen Theil für die Königin von Etrurienund für den Friedensfürsten loszutrennen.“ x )
Auf diese Weise war Godoi bei der Invasion Por-tugals ins Interesse gezogen, nicht ahnend, dass dasVerderben Spaniens unmittelbar nachfolgen werde. DessenHerrscher aber täuschte Napoleon im Oktober mit einemnicht weniger gleissnerischen Schreiben über seine wahrenAbsichten, indem er am 12. aus Fontainebleau Karl IV.melden liess: „ . . . Portugal bietet mir seit Jahren dasskandalöse Betragen einer an die Engländer verkauftenMacht. Der Hafen von Lissabon ist für sie eine uner-schöpfliche Mine von Schätzen gewesen; sie haben dortbeständig jede Art von Hülfe in ihren Stappelplätzenund ihren Seeunternehmungen gefunden; es ist Zeit, ihnenOporto und Lissabon zu verschliessen. .. Wir können nurzum Frieden gelangen, indem wir England vom Kontinentabschliessen und seinem Handel alle Häfen sperren.“ *)Am gleichen Tage, an dem die eben erwähnte Korres-pondenz an ihre Adresse abging, setzte er Champagny,seinen Minister des Aeussern, davon in Kenntniss, dasser sich als im Kriegszustand mit Portugal stehend betrachte
x ) Correspondances de Napoleon.