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Geschichte der Schweizertruppen im Kriege Napoleons I. in Spanien und Portugal (1807-1814) / allen Freunden vaterländischer Geschichte gewidmet von Dr. Albert Maag, Lehrer der Geschichte und griechischen Sprache am Progymnasium Biel
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Schreibens gibt sich die nämliche Aufschiebungspolitikzu erkennen, mit welcher er des Königs Bedenken hin-sichtlich der Vollziehung des Vertrages von Fontaine-bleau zu beschwichtigen wusste, von der sogar noch am10. Januar 1808 keine Rede war, denn er erklärte ihmunverfroren, nach seiner Meinung seien diö Angelegen-heiten noch nicht weit genug vorgerückt, um den daskünftige Schicksal Portugals betreffenden Vertrag bekanntzu machen, es müssten vorerst Kommissäre ernannt wer-den, um die Grenzen zu bestimmen und alle Massregelnzu ergreifen, 'welche geeignet wären,um den Bestandder Völker zu sichern, welche sich durch kühne, vorzeitigeMassnahmen kompromittirt finden könnten. Und dochblieb Karl und sein ganzer Hof selbst bei solcher Ant-wort unthätig gegenüber den Plänen des Kaisers. Eserklärt sich diese Verblendung grossentheils aus der all-gemein herrschenden Ansicht, welche der Hof wie dievornehmen Stände Spaniens von der Persönlichkeit Ka-poleons hegten: er galt als vom Schicksal bestimmt, dieMenschen aufzuklären und zu beglücken, eine Ansicht,die in denselben ebenso unerschütterlich feststand, wieder Glaube an die Unüberwindlichkeit napoleonischerHeere vor der Kapitulation von Baylen. Allein wie sehrtäuschte sich schliesslich doch Napoleon, wenn er dienämliche Stimmung auch in allen Schichten des niederen,vom frankenfeindlichen Klerus gänzlich beherrschtenVolkes voraussetzte, wie schwer musste er es büssen, demRathe und den dringenden Vorstellungen seines MinistersTalleyrand nicht Gehör geschenkt zu haben, der ihmerklärte, er werde es eines Tages bitter bereuen müssen,zu weit gegangen zu sein. *) Allenthalben liess das Volk

Fall des Todes Karls nur Ferdinand als den Frankreich genehmenThronfolger zu erklären, wonach also Napoleon bereits damalssieh mit der Absicht trug, diesen zum Werkzeug seiner ehrgei-zigen Pläne zu benützen ( Bernhardi, a. a. 0., Bd. 40, S. 497498).

9 Memoires du Prince de Talleyrand, I, 329. Als es sich in