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der Blase nach dem Tode, wo alle Muskelkräfte ausser Spiel sind,herbeigezogen. Der Umstand, dass die todte Blase sehr häufig Urinbeherbergt, fiel auf und die verschiedensten Hypothesen wurden auf-gestellt über den
Blasenverschluss an der Leiche.
Haller (El. phys. VII. 399. Lausannae 1778) gelangte zur An-sicht, dass die Blase sich bei der (vermuthlich horizontal gelagerten)Leiche so nach hinten und unten gegen das Rectum hin senke, wenndieses nicht gefüllt ist, dass das Flüssigkeitsniveau tiefer zu stehenkomme als das Orificium urethrae.
„Inclinatio enim vesicae, quae retrorsum ducit, facit, ut lotiumversus intestinum rectum potius premat, quam versus urethram. Quareetiam in cadavere aqua in vesicam per ureterem immissa, non effluit,nisi postquam multum jam vesica intumuit. “
Gegen Haller’s Ansicht spricht der Umstand, auf den späterv. Wittieh aufmerksam machte, dass der Urin bei der Leiche auchnicht abfliesst, wenn wir dieselbe in die verschiedensten Positionenbringen. Trotzdem dies schlagend gegen die Annahme, dass derBlasenverschluss durch blosse Lagerung bedingt sei, spricht, wurdedieselbe doch von späteren Autoren aufrecht erhalten.
Kohlrausch 1 ), welcher die Frage sehr eingehend studirte, kamwahrscheinlich schon deshalb zu anderen Resultaten, weil er beiseinen Leichen unter das Kreuzbein ein 1 x k" dickes Brett schob, um„die Lage der aufrechtstehenden ähnlich zu machen“. Nach sorg-fältiger Messung der verschiedenen Dimensionen und mathematischerBerechnung fand er, dass der Druck, welcher auf die trichterförmigausgedehnte Blasenöffnung fällt und zur Erweiterung derselben dienenkönnte, nur 3 /ö ist des Drucks, welcher die abwärts gesunkene Blasen-partie gegen die vordere Wand der Pars prostatica urethrae drängt.Während also Haller das Hinderniss in dem Nachhintensinken derFlüssigkeit findet, schuldigt Kohl rausch dieselbe an, dass sie inder Richtung nach vorne die gesetzlichen Schranken überschreite undhier die Entleerung verhindere, eine Meinungsdifferenz, die, wie ge-sagt, höchst wahrscheinlich ihren Grund in dem untergeschobenenBrett hat.
Ausser diesem Druck auf die vordere Wand, dem Hauptgrund,findet Kohlrausch ein unterstützendes Moment im Verhalten derSchleimhaut. Er sagt: „Die Schleimhaut der Blase, im Allgemeinen