Buch 
Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
Entstehung
Seite
3
JPEG-Download
 

3

dünn und zart, ist in der nächsten Umgebung der Blasenöffnungdicker und derber und ragt beträchtlich über die Muskelhaut hervor.Dadurch ist sie geeignet, zum besseren Verschluss der Blase beizu-tragen. Dieser Verschluss wird durch eine sattelförmige Gestalt derOeffnung erleichtert. Dieselbe ist nicht kreisförmig, sondern die hin-tere Wand erhebt sich in einem Wulst, nach vorn in das Lumender Apertur hineinragend, und die vordere und seitliche Wand legtsich, zweischenkelig oder schwach gebogen, an diesen Wulst an. Diegenannte Prominenz (Luette Lieutaud) beginnt schon 89'" hinterdem Orificium vesicae als sogenanntes Trigonum.

Diese Beschreibung der Schleimhaut am Ostium stimmt im Gan-zen mit -unseren Befunden überein.

Heidenhain und Colberg 1 ) maassen bei ihren Experimenten über den Tonus des Blasenschliessmuskels den Druck, den die Blasedes todten Thieres zu tragen vermochte, ohne dass Urin aus der Ure-thra ausfloss. Sie brachten zuerst beim lebenden Thier eine Canülein einen Ureter und verbanden sie durch einen Gummischlauch miteiner Glasröhre, welche zugleich als Manometer diente. Dem Thierwurde der Bauch aufgeschnitten und Wasser von 3540 0 R. in dieBlase gegossen. Sie erwarteten eine constante Höhe zu finden, beiwelcher sich der Sphinkter öffnete, dann das Thier mit Blausäurezu vergiften und jetzt eine geringere Druckhöhe zu finden, weilder Tonus nachgelassen hätte im Tode. Allein die Thiere entleer-ten die Blase durch Detrusorcontractionen; eine constante Druck-höhe konnte nur sehr gering erhalten werdenwahrscheinlich so,dass die elastische Kraft des Muskels ohne Tonus den Gegendruckleistete.

Wurde jetzt vergiftet, so sank der Druck allerdings noch, aberganz wenig. Diese störenden Detrusorcontractionen konnten etwasseltener gemacht werden dadurch, dass die Autoren etwas Opium-tinctur in den Darm injicirten, wodurch allerdings der Tonus desSphinkter auch etwas beeinträchtigt wurde. Die letzteren Werthe(II) in der Tabelle sind also die Maasse für die Grösse des Hinder-nisses, welches bei der todten Thierblase den Austritt des Urins hemmt;das Hinderniss selbst besteht nach der Meinung der beiden Autorenin der elastischen Kraft des Schliessmuskels. Die Stelle,wo sich derselbe befindet, wird nicht näher angegeben. Die Druck-werthe sind zum Theil sehr erheblich.

1) Archiv für Anatomie und Physiologie. 1858. S. 437.

1 *