7
1. Je näher die Cantile der Blase sich befand, resp. je kürzerdas vom Wasser durchströmte Stück des Ureters war, einen destoniedrigeren Druck vermochte der Sphinkter zu tragen; der niedrigsteDruck zeigte sich in allen Versuchen, wenn die Cantile direct in dieBlase vorgeschoben wurde.
2. War der in seiner ganzen Länge benutzte Ureter weit unddurchgängig, so bedurfte es ebenfalls keines sehr hohen Druckes,damit continuirliches Durchsickern des Wassers eintrat. Bei hohemDruck aber zeigte sich stets, dass der Ureter ganz oder theilweisecontrahirt war, dass das Wasser gar nichts oder nur ein Stück des-selben anftillte, oft auch plötzlich denselben und gleichzeitig die be-nachbarte Blase ausdehnte, und dass meist sofortiges Harnträufelnerfolgte. Wurde der eine Ureter herausgeschnitten und mit ihm alleinexperimentirt, so zeigte sich, dass zur Eröffnung desselben ein sehrhoher Druck erforderlich war.
Auch uns passirte es einmal bei einer Leiche, wo wir eine Gyps-injection vornehmen wollten und wo wir den Ureter am Nierenbeckenfreigelegt hatten, dass beide Ureteren sich ampullenartig vorwölbtenund dann ungefähr zwischen oberem und unterem Drittel platzten,ohne dass Gypsbrei in die Blase gedrungen wäre. — Sauer fährtfort: „ Dieser Fall liefert einen abermaligen schlagenden Beweis, dassdie durch die Contraction bedingte Undurchgänglichkeit des Uretersallein so hohe Druckwerthe finden lässt, wie v. Wittich sie angiebt,dass aber der Sphinkter einen so hohen Druck gar nicht erfährt.Mithin sind die früher von Heidenhain und jetzt von mir gefun-denen niedrigen Zahlenwerthe unbedingt die richtigen wirklichenDruckwerthe für die Eröffnung des Sphinkters. “ Der Druck, welchendie den Blasenausgang umgebenden Gewebe vermöge der blossenElasticität nach Beseitigung aller activen Muskelcontraction zu tragenvermochten bei Einspritzen von Wasser, betrug bei Kaninchen 2 bis18 Cm. Er weist den Vorwurf, dass Wasser von 59° C. eine erheb-liche Fehlerquelle bilde, zurück.
v. Wittich vertheidigt sich gegen die Muthmaassung, er habesich um die Permeabilität des Ureters nicht bekümmert; er erklärtdas von Sauer angewandte Verfahren des Vorschiebens einer Canüledurch den Ureter bis in die Blase aus anatomischen Gründen fürunstatthaft, die Methode des Einbindens einer Canüle in den Blasen-scheitel ist völlig unbrauchbar. Diese Behauptungen wurden spätervon Rosenplänter, welcher so ziemlich zu denselben Resultatengelangte, wie Heidenhain und Colberg, bestritten.
Rosenplänter experimentirte bei Hunden und Katzen ausser-