20
schlossen und hatte sich der Mann durch Rtickstauung die beträcht-liche Ausdehnung des Ureters sowie eine starke Hydronephrose zu-gezogen.
Sehr hübsch abgeprägt ist häufig die Faltung der Musculatur.Je mehr die Blase zusammengezogen ist, um so gefurchter ist dieOberfläche. Am Ostium sieht man, besonders wenn die Blase imTode entleert wurde, Längsfalten gegen das Ostium zu vorspringen,gleich als ob durch die Contraction der Längsfasern das Ostium ge-öffnet erhalten würde. Bei starker Füllung verschwinden der Deh-nung der Schleimhaut gemäss jene Falten fast vollständig.
Dass der hydrostatische Druck nach Haller zum Blasenver-schluss beitrage, können wir bei niedrigen und mittleren Füllungs-graden nicht finden. Es befindet sich allerdings ein Theil des Urinstiefer als das Ostium und hat daher keine Neigung auszufliessen,allein dass der untere Theil der Blase gegen die Urethra drücke,scheint höchstens bei ganz starken Anfüllungen stattzufinden. DieIdee von Kohlrausch, dass die vorderen Theile der Blase gegendie vordere Wand der Harnröhre stemmen, ist absolut haltlos.
Wir haben auch versucht, den Verschluss zu veranschaulichenbei jenen stark gedehnten paralytischen Blasen und haben, da unsgerade keine solchen Blasen zur Verfügung standen, versucht, ge-sunde Blasen an der Leiche durch starke Dehnung jenen ähnlich zumachen. Dies geschah einmal durch Einführen eines Katheters undEinspritzen von Wasser, welches einige Zeit unter starker Spannungin der Blase gelassen und dann entfernt wurde. Hierauf wurde dieBlase mit Gyps injicirt; oder wir unterbanden die Urethra und in-jicirten vom Ureter aus gleich Gyps in grosser Quantität; sobald derGyps begann zu erstarren, d. h. sobald er dickflüssig war, wurdedie Urethra freigelassen und ihm so Gelegenheit geboten, auszu-fliessen. Beide Methoden geben unbefriedigende Resultate, indemdas Urethralostium zu stark lädirt und verändert wird. Es scheintjedoch (s. Tafel Figur III 2), dass dabei die Blase auf dem Becken-boden anstemmt und dass hier, wie Haller meint, die unteren Par-tien gegen die Urethra drücken. Zugleich rückt wegen jenes An-stemmens das Ostium etwas nach oben und wird schräg verzogen.Dass hier die Urethra zugedrückt wird, scheint uns aus der Formdes Ostiums am Abguss hervorzugehen, von dem man (ohne diesesZudrücken) erwarten sollte, dass es nach Unterbindung der Harn-röhre weit offen stünde.
Ueber die Zu- oder Abnahme der Festigkeit des Blasen Ver-schlusses bei Zu- oder Abnahme der Füllung können wir leider nicht