21
bestimmte Angaben machen. Wir haben zwar eine Reihe von Mes-sungen vorgenommen, allein die Lösung dieses Problems ist nichteinfach. Wenn Rosenplänter zum Theil mit Recht sagt, dass manden Oeffnungsdruck nicht verwenden könne, um zu messen, bei wel-chem intravesicalem Druck sich die Blase öffnet, so muss maneben auf der anderen Seite sagen, dass auch der Schliessungsdruckunzuverlässig ist, indem er den Widerstand misst, den ein einmalüberwundener Sphinkter, der ein gutes Stück seiner Elasticität ein-gebüsst hat, leistet, ein Werth, welcher uns offenbar keineswegs an-giebt, was wir wünschen. Die einzige sichere Methode ist nachunserer Ansicht die, die Blase von einem Ureter aus langsam zufüllen, während durch den anderen eine Canüle bis in die Blase vor-geschoben und mit einem Manometer verbunden wird. So vermeidenwir die Fehlerquellen, welche Rosenplänter für den Eröffnungs-druck rügt. Allein wir müssen dabei auch v. Wittich Recht geben,welcher dieses Vorschieben bis in die Blase zuweilen für unmöglicherklärt. Uns ist es zuweilen nicht gelungen.
Wollte man die Frage über die Festigkeit des Verschlusses beiverschiedenen Füllungen genau studiren, so müsste man z. B. eineBlase zuerst mit 100 Ccm. anftillen, in einen Ureter einen Manometereinführen und nun den zur Eröffnung nöthigen Druck bestimmen,während man zu gleicher Zeit die Blase verhindert, sich auszudehnen.Dies könnte geschehen so, dass man um die Blase eine Kapsel ausGyps oder einer anderen erstarrenden Masse legt und dass man dannvom zweiten Ureter aus durch Zufüllen den Druck vermehrt; oderman könnte den Druck bei dieser Füllung von 100 Ccm. dadurchbestimmen, dass man durch in die Bauchhöhle eingespritzte Flüssig-keit successive einen höheren Druck auf die Blase ausübt, bis Urinabzufliessen beginnt; die Höhe jenes Werthes könnte man am Mano-meter ablesen. Dann würde derselbe Vorgang bei 200, 300 Ccm.u. s. w. wiederholt.
So verlockend auch diese genauen Untersuchungen waren, siekonnten von uns nicht mehr gemacht werden, da unsere Beschäfti-gung mit Chirurgie und Geburtshtilfe jene Experimente am Cadaverauf ein Minimum einzuschränken geboten.
Es sei uns gleichwohl gestattet, die Eindrücke, welche ein paarfrühere Experimente auf uns machten, wiederzugeben.
Es scheint einmal, wie schon erwähnt, dass die Festigkeit desVerschlusses eine geringere ist, wenn die Blase während des Ein-tritts des Todes entleert wurde, was häufig der Fall ist. SolcheBlasen lassen sich schwer dehnen, besonders während der Todten-