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selben schützten. Wir wagen es indessen nicht, aus diesem einzigenderartigen Versuch den Schluss zu abstrahiren, dass stets bei stär-kerer Anftillung der Blase ein höherer Druck zur Sprengung des Ver-schlusses nothwendig sei.
Die Hauptsache für uns ist , die früheren Angaben bestätigt ge-funden zu haben , dass der Blasenverschluss bei der Leiche für mitt-lere und geringe Füllungsgrade meist die Festigkeit hat, welche er imlieben in ruhiger Lage haben muss, wenn die Blase als Reservoirdienen soll, dass er zuweilen auch bei stärkster Anfüllung Werthezeigt , die jeder blossen intravesicalen Drucksteigerung während desLebens spotten würden.
Der Blasenverschluss am Lebenden.
Nachdem wir unsere Betrachtungen über den Blasenverschlussbei der Leiche abgeschlossen haben, drängt sich uns die Frage auf,wie sich diese Verhältnisse am Lebenden gestalten. Hier müssenwir 2 Zustände von vornherein unterscheiden, nämlich das Zurttck-halten bei geringer Füllung, ohne dass wir das Bedürfniss zu urinirenempfinden, und das Zurückhalten bei Drang, wo wir mit anderenMuskeln zur Erreichung unseres Zweckes activ eingreifen, ähnlich,wie wenn bei erschwerter Athmung Arm-, Hals- und Brustmuskelnzur Respiration benutzt werden, welche unter gewöhnlichen Verhält-nissen anderen Zwecken dienen.
Es liegt auf der Hand, dass wir auch hier wieder getheilten Mei-nungen begegnen werden. Diejenigen, welche den Verschluss bei derLeiche auf Lageveränderungen zu beziehen suchten, müssen bei dembeständigen Lagewechsel, den die Blase während des Lebens erfährt,eine andere verschliessende Kraft annehmen; Andere, die sich umden Verschluss bei der Leiche nicht kümmern oder denselben nichtkennen, sind ebenfalls genöthigt, sich nach einem speciellen Thor-hüter umzusehen; für uns aber, die wir nachgewiesen haben, dassder Verschluss der Blase im Cadaver ein elastischer ist und an jenerStelle im Anfangstheile der Urethra zu Stande kommt, für uns genügtvorläufig dieser Verschluss. Wir werden also nicht Anstand nehmen,zu erklären, dass im Leben, wenn die Blase sich von den Ureterenaus anfüllt, die zurückhaltenden Kräfte zunächst dieselben sind, wieim Tode: es ist der glatte Sphincter vesicae internus, welcher dendas Ostium umgebenden Wülsten als feste Stütze dient.
Es ist ein Muskel, welcher wie jeder Muskel in Contraction ge-rathen und dadurch den Verschluss fester gestalten kann, es ist ein