Buch 
Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
Entstehung
Seite
33
JPEG-Download
 

33

Dass bei starkem Drang der Bulbocavernosus und die Damm-muskeln allein noch den Verschluss aufrecht erhalten, wie Kolil-r au sch vermuthet, ist nicht unwahrscheinlich, wenn wir erwägen,dass ihre Erschlaffung sofort die Urinentleerung in Scene setzt, wäh-rend sonst die Eröffnung der Blase nicht so schnell von Statten geht.

Es frägt sich für uns, auf welche Weise sich dann derVerschluss macht, wenn wir den Urinstrahl plötzlichanhalten? Wir haben bereits erwähnt, dass Budge die Prompt-heit, womit dies geschieht, geltend machte gegen die Ansicht, dassdie Blase durch einen glatten Muskel verschlossen werde, da die-selben keiner so schnellen Contraction fähig seien. In diesem letz-teren Punkt hat er Recht, nicht aber im ersteren. Das prompte Ver-schliessen der Urethra im Moment, wo wir den Harnstrahl unterbrechen,kommt allerdings nicht durch den glatten Muskel zu Stande, sondernes ist eine Contraction des Bulbocavernosus, der ganzen Urethral - undDammmusculatur, wie man sehr deutlich nachweisen kann, wenn manin diesem Augenblick den Bulbus oder den Sphincter ani befühlt.Dieser Verschlussmechanismus, der noch niemals genauer beschriebenwurde, ist ein sehr complicirter. Nach unseren Untersuchungen nimmtdaran die ganze der Palpation zugängliche Musculatur des Becken-ausgangs Theil. Wenn man Jemanden uriniren lässt, während manmit dem Finger leise die Prostata berührt, und wenn man nun denBetreffenden auffordert, den Urin anzuhalten, so fühlt man in diesemMoment, wie die Prostata etwas gehoben wird, und es scheint, wiewenn sie sich etwas abplattet, zugleich fühlt man unten die Con-traction des Bulbocavernosus und des Sphincter ani. Die Urethrawird dabei in ihrer ganzen Länge zusammengeschnürt, wie man auffolgende Weise demonstriren kann. Wir nahmen einen Katheteraus Metall oder Hartgummi, der eine eigens zu diesem Experimentangebrachte Oeffnung an der Spitze hatte, statt wie sie bei gewöhn-lichen Kathetern weiter unten angebracht sind. Führt man nun denKatheter behutsam nur so weit ein, dass Urin gerade auszufliessenbeginnt, so kann man mittelst des im Rectum befindlichen Fingersfühlen, dass die Oeffnung der Blase etwas oberhalb des oberen Ran-des der Prostata stattfindet (wie an der Leiche). Fliesst jetzt derUrin und befiehlt man dem Patienten den Harn anzuhalten, so fühltman plötzlich, wie die ganze Prostata auf der eingeführten Sonde indie Höhe rückt; oft entsteht dabei eine Art von weicher Crepitationfür den tastenden Finger und der Ausfluss sistirt. Der willkürlicheVerschluss der Blase macht sich also an derselben Stelle, oder wennwir das Hinaufrücken der Prostata mit in Rechnung ziehen, höch-

Born, Blasenfunctionen. 3