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Wir werden also nicht anstehen, zu erklären, dass im Leben beigeringer Füllung und geringem Blasendruck der elastische Verschlussder Blase den Gegendruck leistet , dass bei mittlerem Grad der An-füllung der Sphincter vesicae internus sich reßectorisch contrahirt undden Schluss verstärkt, dass diese Sphinktercontraction bald stärker,bald schwächer ist, indem sie ein beständiges An- und Abschwellenzeigt, je nachdem auch der intravesicale Druck schwankt, dass beihohem Druck die sämmtlichen Urethral - und Dammmuskeln zum Ver-schluss beitragen, und dass diese letztgenannten Muskeln es auch sind,welche bei Unterbrechung des Urinirens provisorisch durch ihre Con-traction den Weg verlegen, bis der glatte Sphinkter von Neuem dasAmt eines Thorhüters übernommen hat.
Ein reflectorischer Tonus der willkürlichen Verschlussmusculaturder Harnröhre scheint uns bei gesunden Menschen unter normalenVerhältnissen nicht zu bestehen, da man bei Kranken mit gestörtemSensorium niemals auf Einführen von Kathetern Contractionen derHarnröhre eintreten sieht, wie man es bei der Existenz eines vomRückenmark abhängigen Tonus erwarten sollte. Bei Hunden scheintein solcher Tonus zu existiren, da z. B. nach Brustmarkdurchschnei-dung Berührung der Harnröhrenschleimhaut Contractionen auslöst.Es scheint überhaupt, dass der Hund auf jeden Reiz hin, den dieSchleimhaut erfährt, die Harnröhre contrahirt und den reizendenKörper wegzubringen versucht; daher begleiten sie die normale Urin-entleerung mit rythmischen Contractionen jener Muskeln, die wirnur am Ende der Miction zur Entleerung der letzten Tropfen an-wenden. Dass aber diese am Schluss des Harnlassens ausgeführtenContractionen der Schlussmusculatur willkürlich sind, scheinen unsmehrere Beobachtungen bei Kranken zu lehren, deren Blase demWillenseinfluss entzogen war. Da fehlte das gewaltsame Ausstossender letzten Tropfen.
Blasensensibilität.
Bevor wir uns mit der Harnentleerung beschäftigen, müssen wirdie Umstände besprechen, welche uns von der Anfüllung der Blasein Kenntniss setzen. Wir haben auseinanderzusetzen, welches dieUrsachen sind jener Empfindungen, die man als Gefühl der vollenBlase oder Harndrang bezeichnet.
Wir müssen gestehen, dass wir bei geringem Blaseninhalt abso-lut keine Empfindung hiervon haben. Nur der Mangel eines Gefühlslässt uns ahnen, dass unsere Blase vollkommen oder beinahe leer ist.
Steigt der Inhalt der Blase, so entsteht zunächst eine unange-nehme Empfindung, die stets von Zeit zu Zeit mahnt, dass die Blase
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