88 Streitigkeiten mit den jüdsschgest Christen
unterlassen, die leztern, wie die ersteren, denneuen Christen zu empfehlen; so sind daher die-jenigen Streitfragen entstanden, welche wir obendie besondern genennet. Von den Pharisäernkönnen wir dergleichen eben nicht anführen. Ih-rem Lehrbegrifwar es gemäs, dasjenige zutrei-ben, was wir bishero erzehlet haben, und wirwerden nicht irren, wenn wir glauben, daß indenjenigen Stellen, aus denen wir unsere Er-zehlung geschdpfet, von den pharisäischen falschenAposteln geredet werde. Allein von den Essäernist desto zuverlässiger, daß sie ihren zum Chri-stentum bekehrten Brudern solche Lehren vorge-schrieben und solche Forderungen an sie gethan,welche in ihrem eigentümlichen Lehrbegrif, dessenerste Quellen in der morgenlandischen Philoso-phie lagen, allein gegründet waren. Die da-her entstandene Jrtümer betrafen einmal dieLehre; von den Engeln. Die Essaer harten sowol; als ein groser Theil der übrigen Judenaus der morgenlandischen Philosophie die bibli-schen Wahrheiten von den erschaffenen Geisternmit sehr vielen Zusäzen vermehret und ihnen be-stimmte Verrichtungen in Regierung der Weltangewiesen, daß eilt groser Theil der Schiksaaleeinzelner Menschen von denselben nach ihrem Be-grif abhängen musten. Insbesondere sahen siedie Engel als Miller an, durch welche das Ge-bet und das Andenken der Tugenden der Men-schen vor Gott gebracht und die göttlichen Wohl-thaten den Menschen ertheilet würden. Dieseswar denn die Qnelle von der gottesdienstlichen
Ver-