Von den Montanisten. 619
kan ihre Urheber aus Tillemoms memoire« tom. III.x. 418. sW- kennen lernen.
§ V.
Es würde der Unterschied zwischen dem äch-ten Lehrbegrif der Christen, und dem montani-stischen nicht allein sehr erheblich seyn; sondernauch der leztere sehr übel zusammen hangen und ei-ne seltsame Gestalt haben, wenn man alle Jrtümer,welche iemals dieser Parthei zur Last geleget wor-den, als eigentümliche Lehrsäze derselben, undalle Laster, deren man ihrer Anhänger beschuldi-get, als notwendige Folgen ihrer Religionsmei-nungen ansehen sol. Es ist daher vor uns eine nich-tige Pflicht, die erweisliche historische Wahrhei-ten von den entweder schlechterdings falschen; oderdoch unsichern Anklagen abzusondern. Die er-stem; oder die Wahrheiten lassen sich füglich inZwey Hauptklassen eintheilen. Einige betrafendie von den Montanisten vorgegebene unmittel-bare Offenbarungen des heiligen Geistes; ande-re aber einige Theile der Sittenlehre, welche vonden Montanisten übertrieben worden.
Anm. Wir werden unten die Bekenntnisse der alten vonder Reinigkeit der montanistischen Glaubenslehre an-zeigen. Hier wolle» wir aber merken, daß Terrullianden Unterschied zwischen seiner Parthei und ihren Ge-gnern bald allein in der Frage von den unmittelbarenOffenbarungen, als säverlus prsxesm ca^o. i. baldaber in dieser und in der Frage von der Rechtmäßig-keit der zweyten Ehe zu sezen scheine, in einer Stelle,welche der Verfasser des l'rseäellinuti /kör. I. c.rze. 2;.uns aufbehalten. An dem erstern Ort redet er nichtunrecht. Denn die strenge Sittenlehre der Montani-sten hatte eben keinen weitem Grund; als das Vor-geben, daß sie auf neuen Offenbarungen des heiliacn
Geistes