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Neue Curiöse Geschütz-Beschreibung : Worinnen nicht allein ausführlich gehandelt wird von unterschiedlichen Manieren und Gestallten derer Gieß-Oefen, darinnen allerhand Arten Stücke, Haupitzen und Mörser etc. zu giessen ... / heraus gegeben von ... Michael Miethen
Entstehung
Seite
42
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4z Cap* XXXII. Von kurtzen und langen Stücken.

Einwurff wl- Erstlich / daß sich das Pulver zu geschwind verbrenne / ehe die Kugel

«ne/uT im Mund komme/und dasssich der Dunst von selben zu weit austhane/ da-hero die Kugel einen nicht genungsam starcken Stoß bekomme.

Wie sie etlü Ihrer Meynung nach soll das Stück in seinerLange also beschaffen seyn/

mma?eschaft^bstch alles Pulver im selben entzünde/ und der Dunst in dem Moment/fen seyn wann die Kugel in Mund komt / den Lauss/oder die Seele des Stückes/ gantz-solle«? Hty erfüllet habe / welches sich bey den Unwissenden hören last.

Wer hat aber jemahls in ein Stück geschauet als sich das Pulver entzündet / undwer hat sehen können / wie sich der Durst vom Pulver ausgethanet ?

Es haben etliche Vornehme angemercket/ daß / wann man aus gantzen / dreyviertelhalben und viertel Carthaunen/mit einer Ordinari Ladung geschossen /daß manauff einem weisen Tuch/oder auffdem Schnee / einige Pulver-Körner/ so sich nichtentzündet/ gefunden.

Wann ich nun dieses gelten lasse/so ist ja ihre Proportion und gefundene rechteLange gemeldter vier Haupt- Stück/falsch und mangelhafft/und mästen also / wannsich alles Pulver entzünden solte/nothwendig langer gemacht werden.

So bald sich das Pulver entzündet / muß dessen Gegenlage fort/ solche Cörperaber/jemehr und besser sie nebenst dem Pulver eingesperret/je weiter und höher sie ge-trieben werden.

Der Mörsel ist am kürßesten unter allen Geschütz/dahero n>ann er in gerader Li-ma mit einer grossen Ouantitat des besten Pulvers und leichten Stein-Kugel geladen/solte abgeschossen werden / würde man sehen / daß die Menge des Pulvers sich mehr her-aussen in der Lufft/als im Mörsel entzünden / und der Kugel einen sehr geringen Nach-druck geben / und so wenig nachfolgen würde/ als eines Bogens oder Armbrustes Sennedem Pfeil: also auch das Pulver in kurtzen Stücken. In langen aber bekommt dieKugel zwar bey erster Entzündung des Pulvers / gleich in allem andern Geschütz/ ihreBewegung und Ausflug / und weilen sie sich etwas langer in dem Lauffauffhalt/ kandas Pulver sich alles entzünden / seine Macht in dem Lauff des Stückes an die Kugel le-gen/und solcher einen hefftigen Trieb geben.

Mich wundert/ daß sich so viel verständige so bloß gegeben/ und gezweiffelt/ daßeine 'ordinari LadungPulver in einemlangen Stückzu wenig wäre/ solches mit Dunstanzufüllen / da doch das längste Stück viel zu kurtz / die pure und helle Flamme einer ge-ringen Ladung in sich vergehen zu lassen / geschweige denn daß der Dunst nicht zu langen/und die Kugel nicht genugsam angreiffen und treiben solte.

Daßsie aber ferner behaupten wollen / es folge der Dunst aus einem recht pro-portionirten Stück der Kugel in der Lufft nach / und gebe ihr einen mehrern Trieb / wel-ches aus einem langen nicht geschehen könte/ indeme sich solcher in demselben zu weit aus-gebreitet/ und subtil worden/ist ohne Grund dahin geredet/dann wann der noch genaubeysammen - stehende Dunst schon im Stück seine Krafft verlieret / was will er dann her-nach in der freyen Lufft treiben? Die kleinen Kinder wissen/ daß sie aus einem langenBlase - Rohr / ob zwar miteinerley starcke des Athems weiter schiessen / als aus einemkurtzen. Eine lange Flinte/Rohr/ oder Mußquet treibet weiter und scharffer / als einekurtze/ und behalt also (den weitesten Trieb betreffend) die Lange den Vorzug.

Cap.