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Neue Curiöse Geschütz-Beschreibung : Worinnen nicht allein ausführlich gehandelt wird von unterschiedlichen Manieren und Gestallten derer Gieß-Oefen, darinnen allerhand Arten Stücke, Haupitzen und Mörser etc. zu giessen ... / heraus gegeben von ... Michael Miethen
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98
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§8 Cap. L. Von Salpeter und dessen Beschaffenheit.

Dessen Na- Ich will hier seine Narur so weit beschreiben und erkantlich machet da-w ' mit man feine natürliche Gewalt mit vielen ungereimten Zusatz nicht schwa-che und verringere/wie bey den Stück-und Mußqveten-Pulver aus alter Gewohnheitgeschicht.

Salpttee ist Ist demnach der Salpeter unter den Kohlen und Schwefel der Regent/

ft"und Koh^die andern zwey Stück sind nur Zugaben. Er ist der Effecruant / und ma-len der Re- chet sich mir seiner Starcke selbsten Platz.

OeffenN ttar ^eine Natur ist kalt / dennoch befindet sich in selben ein gezwungenesistfait Feuer / welches gefangen sich darinnen auffhalt/ es ist aber sein natürlicherSitz nicht.

Dieses Feuer wird durch den Schwefel in rechter Ovantitat zugesetzet / verste-cket und vermehret /durch den Überfluß aber und Fettigkeit eben desselben gedampffetund gemindert.

Diese zwey Contrarketaten Hiß und Kalte / Feuer und Wasser / werden durchdie Kohlen nicht allein in Körner zusammen gebracht / sondern auch durch das Anzün-den auffgelöset und zertrennet.

Wofern aber deren zuviel zugesetzt werden / wird die eng aneinander gehänckteGewalt und zusammen gezwungene Srarcke / bey der Contraritaten nicht allein zuweit ausgetheilet/ separirt und zerstreuet/ sondern es gehet auch bey dero Auflösung lang-sam her /welches manschet / wenn man Stück-Pulver auff glüende Kohlen wirft/und in Gegentheil ein gutes Pulver anzündet.

In dieser Zertrenn-odee Auflösung/suchet eines über das andere zu herrsche«/iemehrmm ihre Macht zusammen trifft (verstehe das eines nicht zu viel/das andere zuwenig/sondern in rechter Harmonie zusammengesetzet) je gewaltsamer und geschwin-der wird die Gegen - Lage fortgetrieben und Platz gemacht; Die rechte HarmonischeZusammensetzung aber des Pulvers geschicht / (wie ich schon offt gemeldet) wann manauff i. Pfund gut geläuterten Salpeter 6. Loth Kohlen und 4. Loth Schwefel gibt.

Das Feuer sucht seinen natürlichen Ort/die Lufft/das Wasser oder die Feuchtig-keit so in Salpeter ist / hencket sich an Stück inwendig an.

Das Wasser so aus den Salpeter entstehet/treibet das Feuer von sich/und be-halt die Oberhand/siehet man alsov daß der Salpeter gewaltiger als der Schwefel/sonsten wenn das Feuer starcker/würde es seine Eslentiam gar auffreiben/wie bey ei-nem glüenden Eisen und wenigen Wasser zu sehen.

Theils Wasser aber von Salpeter/ führt das Feuer / als das starckeste unter allenElementen mit fort/die Kalte hergegen ziehet solches an sich / und halt es zusammen/welches an einen kalten und erhitzten Stück bey feuchten und kalten / truckenen mit war-men Wetter klar zu sehen.

Dieses wird auch observiret an einem Rohr somit Wasser gefüllet u. wol verstopf-fet ist; Wann solches durch das Feuer erhitzt/wird ein Theil Wasser zu Lufft gemachct/so alsdann mit Gewalt seinen Ausgang nimmet/das Eisen aber bleibet dennoch naß.

Man siehet solches an den Erdbeben auff gleiche Manier; dann das Wasser drin-get erstlich durch die ?oro§ oder Schweißlöchcr der Erden/so lang biß es einen Sitzo-der Hölung findet / wann solches nun mit Menge in eine Hölung eingeschlossen / wirdes durch die Sonne oder hitzige Dampffe zu Lufft gemachet.

Diese corporalifche Lufft suchet die elcmentarische und wann sie nicht Räumen ge-nug zum Aasgang fin det/muß alles persten und zureissen.

Diese und dergleichen Feuchtigkeiten/ werden alle langsam zu Lufft gemacht.

In Pulver aber wird sie nicht allein augenblicklich generiret/sonderu auch tranß-mutiret / welches in der gantzen Natur nicht zu finden.