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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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biegsamer, als ein solches aus wenigen dickeren Drähten; desgleichen ist ein Seilmit Hanfeinlagen in den Litzen biegsamer, als ein demselben im übrigen ganzgleiches ohne Hanfseelen. Seile, welche einem starken mechanischen Verschleißausgesetzt find, sei es dadurch, daß sie über den Boden schleifen, oder daß sieüber viele Tragrollen laufen, daß die einzelnen Seilschläge stark aneinander-reihen, oder daß sie eine starke Pressung auszuhalten haben, sollte man, ebensowie Seile, welche im Nassen arbeiten und dadurch der Gefahr der Zerstörungdurch Rost ausgesetzt sind, nicht aus dünnen Drähten anfertigen."

Hanfeinlagen in den Litzen machen das Seil biegsam, aber auch weich,deshalb sollte man zu solchen Konstruktionen nicht greifen, wenn das Seil imBetrieb stark gequetscht wird, wie z. B. wenn es auf der Seiltrommel über-einandergewickelt werden muß."

Je härter das Material, um so dünner wird man die Drähte nehmen.Das härtere Material, welches auch eine entsprechend höhere Bruchfestigkeit hatund dadurch den Vorteil bietet, daß man bei gleicher Tragfähigkeit das Eigen-gewicht des Seiles auf ein Minimum reduzieren kann, ist von der Verwendungausgeschlossen, wenn die Seilscheiben und Seiltrommeln, über welche das Seillaufen soll, einen zu kleinen Durchmesser haben."

Förderseile, namentlich wenn dieselben auch zur Seilfahrt (Menschen-förderung) dienen, werden jetzt fast ausnahmslos aus Patent-Gußstahldraht her-gestellt. Meistens wird eine Qualität angewendet, welche eine Bruchfestigkeitvon 115 bis 130 pro ginin hat; bei zunehmender Tiefe und bei gesteigertenFörderlasten ist man aber gezwungen, zu härteren Qualitäten zu greifen, um dasEigengewicht des Seiles möglichst zu beschränken. Wir empfehlen für solcheFälle ein Material mit einer Tragfähigkeit von 150 bis 160 KZ pro ginin, undwo die Verhältnisse es durchaus bedingen, verwenden wir auch ein Material miteiner Bruchfestigkeit von 180 bis 200 pro gnun Drahtquerschnitt."

Bei der Bestimmung der Dicke der zu Förderseilen zu verwendenden Drähtewird bei den großen Fördereinrichtungen bei der Kohlengewinnung der Durch-messer der Seiltrommel und Seilscheibe weniger maßgebend sein, weil diese inder Regel sehr große Dimensionen haben. Bei weniger günstigen Fördereinrich-tungen, z. B. beim Erzbau, sollte man nie dickeren Draht zu den Förderseilenverwenden als st,ggo des kleinsten Scheiben- bezw. Trommeldurchmessers, in derRegel verwendet man zu Förderseilen keine dickeren Drähte als 2,8 mm Guß-stahldraht."

Eine Ausnahme von dieser Regel wird man machen müssen, wenn dieStellung der Seiltrommel zur Seilscheibe eine solche ist, daß die Seilschlägesich beim Auf- und Abwickeln stark aneinanderreihen, oder wenn bei zu kleinenTrommeln das Seil nicht mehr in einer Lage auf denselben Platz findet undübereinandergewickelt werden muß, oder überhaupt wenn das Seil einem starkenmechanischen Verschleiß ausgesetzt ist. In solchen Fällen kann es unter Umständengeratener erscheinen, mit der Drahtdicke bis zu Vsoo des Scheiben- bezw.Trommeldurchmessers zu gehen."

Bei der Wahl der Drahtdicke spricht auch der Winkel mit, unter dem das