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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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2. Die Stopfbüchsen.

Wir haben gesehen, daß beispielsweise die Kolbenstange einer Dampfmaschinedurch die eine oder auch durch zwei gegenüberliegende Wände aus dem Cylinderheraustritt. Das Gas oder die Flüssigkeit aber, das sich in dem Cylinder be-findet, soll aus dem Cylinder nicht heraustreten können, d. h. der Cylinder sollüberall dicht sein. Demzufolge müssen wir um die hin und her gehende Kolben-stange ein Element anordnen, welches auch hier gut abdichtet. Dies thut aberdie Stopfbüchse. Sie muß andererseits jedoch der Kolbenstange eine leichteBewegung gestatten.

Die Stopfbüchse versteht man zum Zwecke des Dichthaltens mit einerPackung oder Liderung, welche, wenn dieselbe sich abgenutzt hat, nachgestelltwerden kann. Als Packungsmaterial wird Hanf, Baumwolle, Leder, Gummi,Asbest und Metall verwendet, je nach dem Zwecke, dem die Stopfbüchse dienen soll.

Die meiste Verwendung findet immer noch die billige Hanfpacknng, sie wirdjedoch in neuerer Zeit durch die Baumwollpackung verdrängt. Die Lederpackungkommt hauptsächlich bei Plungerkolben zur Anwendung, während Gummi- undAsbestpackungen nur wenig benutzt werden. Die Metallpackungen verschaffensich für Dampfmaschinen immer mehr Eingang und verdienen auch ganz berechtigteinen Vorzug.

Stopfbüchsen mit Hanf nnd Baumwolle als Packungsmaterial.

Die gebräuchlichste Form einer Stopfbüchse mit Hanfpackung zeigt Fig. 350u. 351. An der Stopfbüchse bemerken wir haupt-sächlich zwei Teile, den Topf und die Brille. DerTopf schließt in der Regel an den Cylinder oderan den sonst abzuschließenden Raum an- Der Bodendes Topfes T wird durch eine eingesetzte Rotguß-büchse Li gebildet, welche die Kolbenstange eng um-schließt. Über dieser sogenannten Grundbüchse istder Topf zur Aufnahme des Packungsmaterialeserweitert. In diesen Packungsraum paßt dieBrille ^ mit ihrem Umfang hinein. Da die Brilledie Kolbenstange ebenfalls umschließt, ist sieauch mit einer Rotgußbüchse L versehen. DieBrille ^ wird durch zwei Schrauben 0 und 0, inihrer Lage gehalten. Diese Schrauben sind in einemFlansch des Topfes befestigt und gehen durch einenFlansch der Brille hindurch, welchen sie durch zweiMuttern fassen, so daß derselbe in seiner Lage ge-halten wird. Die Form dieser Flansche ist meistoval, wenigstens bei zwei Schrauben. Kommen dreiSchrauben zur Verwendung, so sind die Flanschenrund. Die Brille^, kann nun durch die Schrauben 0 und 6, mehr oder weniger inden Packungsraum hineingedrückt werden, wodurch die in ihm befindliche Packung